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Kommission für bayerische Landesgeschichte

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Aktuelle Rezensionen


Karlheinz Dietz/Thomas Fischer

Regensburg zur Römerzeit. Von Roms nördlichster Garnison an der Donau zur ersten bairischen Hauptstadt.

(Verlag Friedrich Pustet, Regensburg 2018) 288 S., 267 Abb., ISBN 978-3-7917-2976-3 
Rezensiert von Stefan Reuter
In: Bayerische Vorgeschichtsblätter
Erschienen am 21.07.2020

Es ist mittlerweile 40 Jahre her, dass mit „Regensburg zur Römerzeit“, aus der Feder von K. Dietz, U. Oster- haus, S. Rieckhoff-Pauli und K. Spindler, 1979 die erste grundlegende, monografische Gesamtdarstellung zum römischen Regensburg erschien. Nach einer weiteren Auflage des Buches folgte 1996 mit dem Titel „Die Römer in Regensburg“, verfasst diesmal von K. Dietz und Th. Fischer, eine erneute Übersicht, welche die Arbeit von 1979 zwar nicht ersetzen konnte, jedoch zumindest einen, um neue Forschungserkenntnisse ergänzten, aktualisierten Überblick zur Geschichte des römischen Regensburg bot.

Da seitdem – durch die verschiedentlich erfolgte Auswertung Regensburger Befunde und Funde sowie durch eine Vielzahl an neuen Grabungen – enorme Erkenntnisgewinne erzielt werden konnten, erschien es sinnvoll – anstatt einer zweiten Auflage der Publikation von 1996 – eine aktuelle, dem Forschungsfortschritt Rechnung tragende, Neufassung herauszubringen. Als Autoren übernahmen diese Aufgabe wiederum K. Dietz und Th. Fischer. So soll mit dem hier anzuzeigenden Werk nunmehr der aktuelle Stand der Forschung zu Regensburg zur Römerzeit zusammenfassend dargestellt werden.

Während der Titel des neuen Buches Bezug auf die noch immer grundlegende Publikation von 1979 nimmt, hebt der gewählte, ergänzende Untertitel der Publikation die besondere Bedeutung des Militärs für die Geschichte des römischen Regensburg hervor und lässt zugleich die deutlich über die römische Kaiserzeit hinausreichende, historische Bedeutung der Stadt anklingen.

Hinsichtlich Aufbau und Gliederung orientieren sich die Autoren dabei weitgehend an der Vorgängerpublikation von 1996. So folgen, nach einleitenden Kapiteln zur Forschungsgeschichte und den naturräumlichen Voraussetzungen, einander abwechselnd Abschnitte zur allgemeinen historischen Entwicklung, in die Regensburgs Geschichte eingebunden ist, zu allgemeinen Sachthemen, wie beispielsweise Gliederung der Legion und Bewaffnung, und zu den einzelnen Fundplätzen, so etwa zum Kastell und Vicus von Regensburg-Kumpfmühl, zur sog. Donausiedlung und dem mutmaßlichen Donaukastell in der Regensburger Altstadt, zum Legionslager von Regensburg sowie den zugehörigen, zivilen Fundstellen, wie canabae legionis und Gräberfelder. Einzelne spezifische Sachthemen (z. B. Lager und Kastelle, Militärbäder) und Detailaspekte (u. a. zur Interpretation bestimmter Inschriften und anderer Steindenkmäler) werden ihrerseits zusätzlich in separaten Exkursen, die durch graue Unterlegung oder/ und eine andere Schriftart optisch abgesetzt in den eigentlichen Text eingebettet sind, detaillierter behandelt und vertieft.

In Bezug auf die Gesamtkonzeption des Buches ist bedauerlicherweise, wie bereits bei der Vorgängerpublikation von 1996, nicht selten ein erhebliches Missverhältnis zwischen den oft ausführlichen Passagen zur Ereignisgeschichte und allgemeinen Sachthemen einerseits und den meist knapp gehaltenen, andererseits mitunter recht oberflächlichen Ausführungen zu den Regensburger Befunden und Funden – mit Ausnahme etwa einzelner, ausgewählter Inschriften – auszumachen. Hier wäre, nicht zuletzt angesichts des durch eine Vielzahl von neuen Grabungen sowie zahlreicher Auswertungen erheblich verbesserten Forschungs- und Wissensstandes zum römischen Regensburg, möglicherweise teilweise eine Rückbesinnung auf die Arbeit von 1979 sinnvoll gewesen, die sich wesentlich stärker noch an den in Regensburg vorhandenen archäologischen Quellen selbst orientierte, um diese in einen größeren Rahmen einzuordnen.

Schnell stellt man beim Lesen fest, dass sich die Autoren nicht nur konzeptionell, sondern auch inhaltlich sehr stark an der Arbeit von 1996 orientiert haben. So merkt man an zahlreichen Beispielen allzu oft, dass erhebliche Teile der Arbeit aus lediglich „recycelten“ Abschnitten bestehen, die häufig wortwörtlich der Publikation von 1996 entnommen sind. Generell erweckt die Arbeit nicht den von den Autoren im Vorwort vermittelten Eindruck, als ob sie „komplett überarbeitet und damit weitgehend neu geschrieben worden“ wäre (S. 10). Vielmehr scheinen nach Gegenüberstellung der beiden Publikationen und daraufhin angestellten Schätzungen des Rez. zwischen 2/3 und 3/4 der Texte der Vorgängerpublikation von 1996 ohne größere Änderungen, nicht selten gar wortwörtlich, in das neue Buch übernommen worden zu sein.

Dem Anspruch, den aktuellen Forschungsstand zum römischen Regensburg zusammenfassend darzustellen, wird das Buch ebenfalls nur ansatzweise gerecht. So werden nur in seltenen Fällen neuere Forschungsergebnisse wirklich adäquat in die Arbeit einbezogen, etwa die Arbeit von St. Sandbichler zu den neueren Grabungen im Auxiliarkastell Regensburg-Kumpfmühl. Hingegen werden z. B. die Ergebnisse der in den letzten 25 Jahren erfolgten Grabungsaufarbeitungen zur Innenbebauung des Legionslagers, wie diejenige zum Niedermünster durch M. Konrad, am Dachauplatz durch Th. Schmidts oder zur Grasgasse durch Rez., lediglich punktuell und selektiv im Text rezipiert. Die Ergebnisse anderer neuerer Arbeiten, wie diejenige von D. Narr zum Kleinkastell von Regensburg-Großprüfening, werden teilweise gar überhaupt nicht berücksichtigt. Generell kann man sich des Eindrucks nicht erwehren, dass das Bemühen der Autoren, „mit den neuen Erkenntnissen der örtlichen Ausgräber und der auswärtigen Bearbeiter Schritt zu halten“ (S. 10), doch ein eben solches geblieben ist.

Besonders problematisch ist die in der Arbeit häufig festzustellende Vermischung bzw. fehlende Trennung von gesicherten Fakten einerseits und Hypothesen andererseits, wobei die argumentative Grundlage letzterer nicht selten vage, mitunter gar fragwürdig bleibt.

So ist etwa die im Kapitel zum Kastell und Vicus von Regensburg-Kumpfmühl (S. 45–77), an einer Stelle als Hypothese (S. 53), an anderer Stelle quasi als gesichertes Fakt (S. 60) formulierte, Annahme der Cohors II Aquitanorum als letzte, wohl bis zu den Markomannenkriegen in Regensburg-Kumpfmühl stationierte Einheit als fraglich anzusehen. Von St. Sandbichler wurde vielmehr, aufgrund stratifizierter Ziegel mit dem Stempel der Einheit, eine Präsenz der quingenaren Truppe in Kumpfmühl in spättrajanisch/ frühhadrianischer Zeit in Erwägung gezogen (vgl. St. Sandbichler, Neue Untersuchungen im mittelkaiserzeitlichen Auxiliarkastell Regensburg-Kumpfmühl. BVbl. 74, 2009, 83 mit Anm. 408). Die Erweiterung des Lagers um 130 n. Chr. brachte dieser wiederum überzeugend mit der Stationierung der Cohors I Canathenorum milliaria sagittariorum in Verbindung (ebd. 84 f.). Von Dietz und Fischer wird die durch ihre These aufgeworfene Frage, warum eine quingenare Truppe in ein wohl für eine milliare Einheit ausgelegtes Lager verlegt worden sein sollte, hingegen gar nicht erst thematisiert; die von den Autoren als vorgeblich gesichert betrachtete Anwesenheit der Cohors II Aquitanorum 166 n. Chr. (S. 60) wiederum beruht lediglich auf dem Militärdiplom des Secco, das letztendlich aber eben nur die Anwesenheit eines Veteranen der Einheit vor Ort anzeigt. Im Zusammenhang mit dem Kumpfmühler Schatzfund, dem ein eigener Exkurs gewidmet ist (S. 77), sei angemerkt, dass dessen jüngste Münzen nicht nur allgemein zwischen 161 und 167, sondern verlässlich in das Jahr 166 datiert werden können (vgl. B. Overbeck in A. Boos/ L.-M. Dallmeier/ ders., Der römische Schatz von Regensburg-Kumpfmühl [Regensburg 2000] 65).

Schon seit längerem bekannt ist ein etwa zeitgleich zum Kastell und Vicus von Regensburg-Kumpfmühl, von ca. 80 bis 170 n. Chr. bestehender Vicus (sog. Donausiedlung) im Bereich der westlichen Altstadt von Regensburg (s. S. 78 f.). Hingegen blieb die Suche nach einem – nicht zuletzt von den Autoren – postulierten, zugehörigen Kastell bislang ergebnislos. Mit diesem werden nun, bereits 1970 gemachte, allerdings erst jüngst publizierte Befundbeobachtungen nördlich des Arnulfsplatzes, welche die Reste zweier Spitzgräben des lange gesuchten Kastells darstellen sollen, in Verbindung gebracht (S. 82 f.; ausführlich publiziert in S. Codreanu-Windauer/ Th. Fischer, Neues zum Regensburger Donaukastell. Beitr. z. Arch. i. d. Oberpfalz u. i. Regensburg 12, 2018, 125–146). Tatsächlich ist der vorliegende Befund durchaus der Diskussion wert, auch wenn nach Ansicht des Rez. die Ansprache der vorliegenden, nur schlecht dokumentierten Befunde als (Wehr-)Gräben (eines Militärlagers) keineswegs so eindeutig ist, als dass andere Interpretationsmöglichkeiten grundsätzlich ausgeschlossen werden könnten. Aus diesem möglichen Indiz auf ein etwaiges Donaukastell nun jedoch – wie von Fischer und Dietz – den (vorgeblich) gesicherten Nachweis für dieses zu konstruieren, erscheint auf der vorliegenden Grundlage doch sehr fragwürdig und bedarf zwingend weiterer Belege. In diesem Kontext sei erwähnt, dass eine mit den vorliegenden Befunden des vermeintlichen Donaukastells in Verbindung gebrachte, dem Reginus I zugewiesene TS-Bilderschüssel (S. 83, Abb. 63), welche überdies aus der Verfüllung eines canabaezeitlichen Kellers stammt und somit ohnehin nicht zur Datierung der vermeintlichen Gräben herangezogen werden kann, auch noch falsch bestimmt wurde. Vielmehr handelt es sich hierbei um ein Produkt aus der, in der ersten Hälfte des 3. Jahrhunderts tätigen Werkstatt des Reginus II (vgl. hierzu ein entsprechendes Formschüsselfragment in H. Ricken/ M. Thomas, Die Dekorationsserien der Rheinzaberner Reliefsigillata. Katalog VI der Ausgrabungen von Wilhelm Ludowici in Rheinzabern 1901–1914. Mat. Röm.-Germ. Keramik 14 [Bonn 2005] Taf. 136,17F).

Ein Exkurs befasst sich mit dem sog. Vulcanus-Altar des Aurelius Artissius (CIL III 14370, 10), für dessen Inschrift einer der beiden Autoren unlängst eine Neuinterpretation vornahm (S. 80–82; ausführlich publiziert in K. Dietz, Regensburger Kanabae oder Kastellsiedlungen? Beitr. z. Arch. i. d. Oberpfalz u. i. Regensburg 12, 2018, 147–178). Entgegen bisheriger Annahmen, die im Allgemeinen – ausgehend von einer Datierung der Inschrift erst nach der Ankunft der legio III Italica in Regensburg – die Funktion des Artissius als Aedil innerhalb der Canabae von Regensburg sahen, wird dieser nun als Aedil der zu einer Verwaltungseinheit zusammengefassten Territorien der (Auxiliarkastell-)Vici der Donausiedlung und von Regensburg-Kumpfmühl betrachtet. Wie nachvollziehbar in Teilen die Einwände von Dietz gegen bisherige Lesungen und Deutungen der Inschrift, etwa aufgrund des Fehlens eines Bezugs auf die Legion – auch sein mögen, so bleiben doch auch bei seiner Neuinterpretation eine Reihe von erheblichen Vorbehalten und Fragen bzw. werden erst durch diese geschaffen: Erstens ist die Existenz eines Donaukastells, welche mit als Grundlage für die Neuinterpretation herangezogen wird – entgegen der Meinung der Autoren – weiterhin keineswegs als gesichert zu betrachten (s. o.). Zweitens stimmt es bedenklich, dass Dietz kein einziges, wirklich adäquates Vergleichsbeispiel für seine Lesung und Neuinterpretation anzuführen vermag; dabei wird gerade die Singularität der sich bisher am meisten durchgesetzten Lesung doch als wichtiges Argument gegen eben diese von Dietz mit verwandt. Schließlich wirft die von ihm favorisierte Datierung in das Jahr 172, d. h. wohl unmittelbar nach der Zerstörung von Donausiedlung und Regensburg-Kumpfmühl, und der daraus abgeleitete, vollkommen spekulative rasche Wiederaufbau der Donausiedlung, ganz erhebliche zusätzliche Fragen und Probleme auf.

Im Kapitel zum 179 n. Chr. fertiggestellten Legionslager der legio III Italica (S. 126–152) wurde unverständlicherweise, anstelle des bisherigen Gesamtplanes des Militärlagers (letzterer findet sich auf S. 239 Abb. 245, mit einer fragwürdigen Eintragung des mutmaßlichen, spätrömischen Binnenkastells im NO-Teil des Lagers) oder eines aktualisierten Übersichtsplanes, ein schematischer Gesamtplan abgebildet (S. 126 f. Abb. 89–90). Abgesehen von der aus den bisherigen Plänen übernommenen Eintragung eines Wehrgrabens vor der donauuferseitigen Nordfront des Legionslagers, dessen Existenz nach neueren, im Rahmen von Leitungserneuerungen am St. Georgen-Platz erfolgten Untersuchungen (M-2013–1124-1_0) mittlerweile mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit ausgeschlossen werden kann, sind hier noch weitere fragwürdige Rekonstruktionen auszumachen. So ist die Ansprache der westlich von den principia, am Südrand des Neupfarrplatzes aufgedeckten, bislang nur vorberichtlich vorgelegten Baubefunde (vgl. U. Osterhaus, Baubeobachtungen an der Via principalis im Legionslager von Regensburg. BVbl. 39, 1974, bes. 172–179) als angebliche Mannschaftsunterkünfte ohne jede valide Grundlage. Irritierend ist der eingezeichnete bogenförmige Verlauf der via sagularis entlang der W-Seite des Magazinbaus an der Ostmauer des Lagers, suggeriert dieser doch, dass der Bau zum ältesten Bauzustand des Legionslagers gehören könnte. Tatsächlich wurde der Magazinbau jedoch erst in einer jüngeren Phase des Legionslagers errichtet, wobei die via sagularis offenbar randlich überbaut wurde (vgl. Th. Schmidts, Ein Hallenbau im Legionslager Castra Regina-Regensburg. BVbl. 66, 2001, 99 Tab. 1,5; Beil. 4, Profile a–b; e–f). Zur Innenbebauung des Legionslagers (s. S. 142–152), deren Kenntnis noch immer sehr fragmentarisch ist, haben erst kürzlich aktuelle Grabungen, welche bemerkenswerterweise bereits hier im Text erwähnt werden, neue Erkenntnisse erbracht; so konnten in seit 2016 laufenden archäologischen Untersuchungen im SW-Teil des Legionslagers, im Bereich des Jesuitenplatzes (Obermünsterstr. 14), großflächig die Teile mehrerer Mannschaftsunterkünfte aufgedeckt und dokumentiert werden (S. 147; zur Grabung vgl. vorläufig S. Codreanu-Windauer/ K. Bissinger, Von Marc Aurel zu Suzi Wong – Frühmittelalterfriedhof und römische Legionäre am Jesuitenplatz in Regensburg. Arch. Jahr Bayern 2017 (2018), 81–84). Diese können u. U. ein wichtiges Korrektiv, etwa für die bereits in den 60er Jahren des 20. Jahrhunderts untersuchten und mittlerweile durch M. Konrad vorgelegten Befunde der Mannschaftbaracken unter dem Niedermünster darstellen, die bislang noch immer als maßgeblich für wesentliche Fragen zur Siedlungsgeschichte innerhalb des Legionslagers zu gelten haben. Unverständlich ist jedoch, warum sich die auf diese wichtigen neuesten Grabungen bezugnehmenden Abbildungen nicht hier, sondern an ganz anderer Stelle im Buch (S. 222 Abb. 230–233) – dort zudem noch ohne Bezug zum zugehörigen Text finden. Stattdessen ist auf S. 147 Abb. 114, wiederum ohne Textbezug, das Foto einer bei Untersuchungen 2012/2013 am Dachauplatz („Hotel Karmeliten“) aufgefundenen Statuette eines Bronzepferdes abgebildet. Dieses stammt allerdings – entgegen der Bildunterschrift – nicht aus dem Bereich der Unterkünfte der 1. Kohorte, deren Lage östlich von den principia überdies nur anhand von Analogieschlüssen vermutet werden kann, sondern – wie aus einem Abgleich mit dem Plan des Legionslagers zu ersehen gewesen wäre – vielmehr aus dem nördlich der via principalis gelegenen scamnum tribunorum und dürfte am ehesten aus dem Bereich eines der dort wohl zu verortenden Tribunenhäuser kommen. Der in das Kapitel zum Legionslager eingebettete Exkurs „geheimnisvolle Ziegelstempel“ (S. 130 f.) widmet sich den in ihrer Deutung und Datierung nach wie vor umstrittenen Ziegelstempeln der sog. LEG L MAR COS-Gruppe. Zu diesen hat erst unlängst Th. Schmidts einen fundierten und überzeugenden Interpretationsansatz gebracht (vgl. Th. Schmidts, Statthalter oder spätantike Truppe? – Überlegungen zu einer rätselhaften Gruppe von Ziegelstempeln aus Regensburg [Bayern/ D]. In: P. Henrich/M. Wieland/ J. Obmann/ Ch. Miks [Hrsg.], Non solum… sed etiam. Festschrift für Thomas Fischer zum 65. Geburtstag [Rahden/ Westf. 2015] 385–394), wobei er die Ziegelstempel mit einem namentlich bisher noch unbekannten raetischen Statthalter in Verbindung brachte.

Die von den beiden Autoren dieser Lösung wiederum hier entgegengebrachten Vorbehalte sind indessen zumindest in Teilen ersichtlich falsch. So ist etwa die als Einwand angeführte Nennung von lediglich zwei Namensteilen auch auf anderen gesicherten Stempeln mit Statthalternennung, als prominentestes Beispiel dasjenige des niedergermanischen Statthalters und späteren Kaisers Didius Iulianus (etwa „SVB DIDIO IVLI COS“), durchaus üblich. Eine von Dietz und Fischer wiederum vorgeschlagene, alternative Auflösung des Stempelformulars, die sie mit einem mutmaßlichen privaten Pächter der Ziegelei der legio III Italica in Verbindung bringen wollen, bleibt mangels stichhaltiger Argumente mehr als fragwürdig.

Dank zahlreicher neuer Grabungen konnten in den vergangenen 20 Jahren insbesondere für den Bereich der canabae legionis, der Zivilsiedlung außerhalb des Legionslagers, enorme Erkenntnisgewinne verzeichnet werden, welche in den vorliegenden Ausführungen (S. 152–181) zumindest angedeutet werden; in diesen Kontext gehört etwa die Feststellung, dass sich die Zivilsiedlung nicht nur – wie lange Zeit angenommen – westlich, sondern auch nordöstlich und südöstlich des Legionslagers erstreckte. Ohne der unmittelbar vor dem Abschluss stehenden Dissertation des Rez. zu den Canabae von Regensburg zu weit vorzugreifen, die sich eingehend mit Siedlungsstruktur und -entwicklung der Lagervorstadt auseinandersetzt, müssen auch hier einige Anmerkungen zu den im Buch von Dietz und Fischer gemachten Ausführungen gemacht werden. Dies betrifft etwa die mehrfach im Text festzustellende, fehlerhafte Darstellung verschiedener Befunde. Im Rahmen der Beschreibung des repräsentativen Gebäu- dekomplexes am Arnulfsplatz schreiben die Autoren:

„Im Innenhof … kam das Fundament einer Nischenarchitektur ans Licht…. Ein zweiter Hof daneben wies ein Wasserbecken auf“ (S. 154). Wie allein schon anhand des Plans Abb. 126 (S. 155) zu erahnen ist, gehören jedoch Wasserbecken und die wohl als Nymphaeum ansprechbare Nischenarchitektur zwei unterschiedlichen Bauphasen an; einer älteren, welcher das innerhalb eines großen Innenhofes gelegene Wasserbecken zuzuweisen ist, sowie einer jüngeren mit – unter Aufgabe des Wasserbeckens – verkleinertem Innenhof, der mit einem Nymphaeum ausgestattet war. Unverständlich ist auch, weshalb bei dem repräsentativen Gebäudekomplex westlich des Arnulfsplatzes für Abb. 126 noch auf den veralteten Grundrissplan der Grabungen von 1976 zurückgegriffen wurde, obwohl Grabungen von 1997 eine wesentlich größere Ausdehnung der Anlage nach Süden erbracht haben und es hierzu bereits neuere, zumindest in Vorberichten publizierte Pläne gibt (vgl. etwa S. Codreanu-Windauer/ L.-M. Dallmeier, Römer im Velodrom – Ein Bodendenkmal in „bester Lage“. Arch. Jahr Bayern 1998, 78–80). Skeptisch stimmen auch die Ausführungen zu erst unlängst südlich des Legionslagers, in der Albertstraße, gemachten Befunden, wo seit 2016 verschiedene mittelkaiserzeitliche Siedlungsbefunde und Brandgräber sowie zahlreiche spätrömische Körpergräber aufgedeckt wurden. Gemäß den Autoren sollen die mittelkaiserzeitlichen Siedlungsbefunde dort noch vor der Mitte des 3. Jahrhunderts durch Brandgräber überlagert worden sein (S. 154). Zieht man den nunmehr publizierten Vorbericht heran (M. Gimeno Mariné, Ein spätrömisches Gräberfeld in der Albertstraße in Regensburg. Arch. Jahr Bayern 2017 [2018], 76– 78), erscheint es hingegen, dass Siedlungsbefunde und Brandgräber räumlich voneinander getrennt liegen und die mittelkaiserzeitlichen Siedlungsbefunde erst von den spätrömischen Körpergräbern überlagert werden. Während hier versucht wurde, selbst brandaktuelle Untersuchungen einzubeziehen, hinkt die Arbeit an anderen Stellen dem Forschungsstand wiederum deutlich hinterher. So ist die angeblich bislang nur erschlossene zweite Hauptstraße innerhalb der westlichen Canabae (S. 158), die westliche Verlängerung der via principalis des Legionslagers, bereits seit 2005 durch Befundbeobachtungen unmittelbar südlich der Gesandtenstraße archäologisch gesichert nachgewiesen (vgl. Fundnotiz in Arch. Jahr Bayern 2005 [2006], 173). Teilweise werden auch Befunde umgedeutet, so etwa ein großer, durch archäologische Sondagen sowie geophysikalische Untersuchungen bekannter Gebäudekomplex mit Heizungseinrichtungen und Apsiden in den östlichen Canabae, für welchen in den Vorberichten, u. a. vom Rez., eine Ansprache als (öffentliche) Thermenanlage vorgeschlagen wurde (vgl. R. Linck/ St. Reuter, Reginum geht baden. Geophysikalische Prospektionen in den Canabae von Regensburg. Stadt Regensburg, Oberpfalz. Arch. Jahr Bayern 2010 [2011], 90–92); dieser wird nun jedoch ohne Begründung als repräsentatives Wohngebäude mit Privatthermen angesehen (S. 159). Im Zusammenhang mit einer u. a. anhand entsprechender Fehlbrände erschließbaren Töpferei vor der SO-Ecke des Legionslagers schreiben die Autoren, dass dort neben einfachem Geschirr auch Tonlampen hergestellt worden sein sollen (S. 161). Für letzteres gibt es allerdings bislang, wie bereits S. v. Schnurbein explizit vermerkte (vgl. S. von Schnurbein, Das römische Gräberfeld von Regensburg. Materialh. Bayer. Vorgesch. A 31 [Kallmünz 1977] 62 mit Anm. 244) keinerlei Hinweise. Nicht erwähnt werden hingegen wiederum bei Grabungen 2012 gemachte Hinweise auf eine weitere Töpferei an der westlichen Peripherie der westlichen Lagervorstadt (vgl. D. Ziegler, Römer am Dörnbergpark. Ausgrabungen in der Wittelsbacherstrasse 8–10 in Regensburg, Oberpfalz. Arch. Jahr Bayern 2012 [2013], 105–107).

Einen von jeher wichtigen Platz in der Erforschung des römischen Regensburg nehmen die zum Legionslager und den Canabae gehörigen Nekropolen ein (s. S. 163–175). In diesem Kontext sind auch die jüngeren Grabungen im Bereich des Großen Gräberfeldes zu sehen, welche mit zu den spektakulärsten, archäologischen Untersuchungen der vergangenen Jahrzehnte, nicht nur in Regensburg, sondern in ganz Bayern, zu zählen sind. So konnten dort 2011 und 2015–2017, zu den zahlreichen, bereits seit den 70er Jahren des 19. Jahrhunderts bekannt gewordenen Bestattungen, insgesamt ca. 2000 weitere Gräber (Brandgräber des 2. / 3. Jahrhunderts und Körpergräber des 3.–7. Jahrhunderts) aufgedeckt werden, deren Auswertung in der näheren Zukunft zweifellos einen Schwerpunkt der Archäologie in Regensburg darstellen wird (S. 168 f.). Leider bleibt allerdings auch hier die Spekulationsfreude der Autoren nicht aus. So wird für ein, im Rahmen der genannten Untersuchungen westlich des mittelkaiserzeitlichen Areals des Großen Gräberfeldes aufgedecktes, am Rande einer römischen Kiesgrube gelegenes Gebäudeensemble von den Autoren eine Interpretation als Straßenmeisterei mit Straßenstation vorgeschlagen (S. 169), für die man abermals eine argumentativ untermauerte Begründung vermisst.

Zum Kleinkastell und Vicus von Regensburg-Großprüfening (s. S. 182–186) werden – wie bereits erwähnt – die Ergebnisse von D. Narr (D. Narr, Das mittelkaiserzeitliche Kleinkastell von Regensburg-Großprüfening. Ber. Bayer. Bodendenkmalpfl. 56, 2015, 251–320) vollkommen außer Acht gelassen, und das obwohl die Arbeit im Literaturverzeichnis durchaus zu finden ist. Es fehlt denn auch jeglicher textlicher Hinweis auf eine von Narr erschlossene, möglicherweise spätrömische Befestigung in der Nordecke des mittelkaiserzeitlichen Kastells (ebd. 296); auf dem im Buch abgebildeten Plan Abb. 187 (S. 182) ist diese jedoch eingetragen.

Im Kapitel „Ländliche Besiedlung um Regensburg“ (S. 190–202) werden zur Entwicklung der ländlichen Besiedlung des Regensburger Umlandes im Wesentlichen die Ergebnisse der bereits 1990 publizierten Dissertation von Th. Fischer wiederholt (vgl. Th. Fischer, Das Umland des römischen Regensburg. Münchner Beitr. Vor- u. Frühgesch. 42 [München 1990]), aus der auch die entsprechenden Fundstellenkarten Abb. 204–206 S. 196 entnommen sind. Hier hätte man sich doch eine aktualisierte Übersicht gewünscht. Überhaupt nicht Stellung genommen wird zu den Ergebnissen von G. Moosbauer (vgl. G. Moosbauer, Das römische Ostraetien: Neue Forschungen zu Militärlagern und Gutshöfen. In: K. Schmotz [Hrsg.], Vorträge des 21. Niederbayerischen Archäologentages [Rahden/ Westf. 2003] 247–293 bes. 266–278 mit Abb. 5–6) hinsichtlich der Entwicklung der ländlichen Besiedlung im Regensburger Umland, der nach einer kritischen Neubewertung der Siedlungsstellen, unter Einbeziehung jüngerer Daten, zu dem Schluss kam, dass die Gründung des Legionslagers bei weitem nicht den von Fischer 1990 postulierten, exponentiellen Schub in der ländlichen Besiedlung des Regensburger Raumes auslöste.

Im Kapitel „Späte Blüte und drohender Niedergang“, das den irreführenden Untertitel „Commodus und die Severer“ aufweist, wird die Entwicklung Regensburgs vom Ende des 2. Jahrhunderts bis gegen Ende des 3. Jahrhunderts skizziert (S. 203–225). Eine erste Zerstörung von Legionslager und Canabae, für welche lange – nicht zuletzt von den Autoren selbst – ein germanischer Einfall in den 40er Jahren des 3. Jahrhunderts (unter Gordianus III. oder Philippus I. Arabs) als Ursache angenommen wurde, wird nunmehr in das Jahr 254 datiert (S. 215 f.). Gerne erführe man, auf welcher Grundlage sie zu dieser Neudatierung kommen, zumal keinerlei, diese untermauernde archäologische Befunde angeführt werden; vielmehr muss angenommen werden, dass hier einfach die Thesen von M. Reuter zum Ende des raetischen Limes (vgl. M. Reuter, Das Ende des raetischen Limes im Jahr 254 n. Chr. BVbl. 72, 2007, 77–149) von den Autoren (unreflektiert) auf Regensburg übertragen wurden. Auch wenn nach Ansicht des Rez., aufgrund der im Rahmen seiner Dissertation erfolgten Analyse entsprechender Zerstörungshorizonte aus dem Bereich der Lagervorstadt, durchaus eine Datierung für dieses, für das römische Regensburg offenbar einschneidende Ereignis wohl in die (fortgeschrittenen) 50er Jahre des 3. Jahrhunderts angenommen werden kann; angesichts einer noch ausstehenden, allgemeinen Diskussion der in diesem Kontext relevanten Befunde und Funde aus Legionslager und Canabae von Regensburg, müssen die Ausführungen der Autoren in diesem Zusammenhang bis auf weiteres als rein spekulativ betrachtet werden. Fragwürdig ist auch die Grundlage für die Neudatierung einer 1899 innerhalb des Legionslagers, in der Salzburgergasse 1, geborgenen Inschrift (CIL III 14370, 12) mit der Nennung eines praeses provinciae Raetiae sowie eines Legionspräfekten, für welche nunmehr eine Datierung in das dritte Viertel des 3. Jahrhunderts vorgeschlagen wird (S. 224 f.). Als Argument gegen die bisher als wahrscheinlich angesehene Datierung in diokletianische Zeit gilt den Autoren der vermeintlich dagegenstehende archäologische Befund; hier wird wohl Bezug auf die Befunde und Funde unter dem Niedermünster und in der Grasgasse genommen, die zwar tatsächlich u. U. eine Siedlungsunterbrechung in dieser Zeit anzeigen, nicht berücksichtigend, dass diese jedoch eben nicht zwangsläufig repräsentativ für das gesamte Legionslagers sind. Bezogen auf die Datierung der Inschrift hätte sich für die Autoren ein Blick in den FMRD gelohnt, der für eben besagte Fundstelle, neben mehreren Münzen des Prägezeitraumes 260 bis 284, auch drei schwere Folles des Galerius, geprägt zwischen 296 und 299, verzeichnet (FMRD I.3 3062 Nr. 104–106), die durchaus als Indikator für Siedlungsaktivitäten an dieser Stelle in tetrarchischer Zeit angesehen werden können.

Die Ausführungen im Kapitel Regensburg in der Spätantike (S. 226–267) zeigen in erster Linie, wie groß noch immer die Kenntnislücken, gerade im Hinblick auf die Transformation des mittelkaiserzeitlichen Legionslagers Reginum zur befestigten, spätrömischen Stadt Castra Regina sind. Wichtige neue Erkenntnisse könnten in diesem Zusammenhang wiederum die aktuellen Grabungen im SW-Teil des Legionslagers, am Jesuitenplatz, bieten; denn nach wie vor müssen sich Überlegungen zur Entwicklung Regensburg in der späten Kaiserzeit vorwiegend auf die Ergebnisse der Niedermünster-Grabungen stützen. Ob die von Fischer und Dietz vorgenommene, weitestgehend spekulative Eintragung eines Binnenkastells in der NO-Ecke des Legionslagers (S. 239 Abb. 245) allerdings einen sinnvollen Beitrag zur Diskussion um das Aussehen des spätrömischen Regensburg darstellt, sei dahingestellt. Zu dem im Bereich des Alten Kornmarktes aufgedeckten (spätrömischen) Großbau ist anzumerken, dass dieser nicht erst während des 2. Weltkrieges (S. 240), sondern bereits 1901 durch H. von Walderdorff aufgedeckt wurde. Die Zwiebelknopffibel aus dem Niedermünster ist nicht aus (massivem) Silber (S. 236 f. mit Abb. 242,1; S. 240), sondern lediglich versilbert. Im Abschnitt „Handel und Gewerbe“ (S. 243 f.) im spätrömischen Regensburg unerwähnt bleiben die Ergebnisse von M. Gschwind, welcher eine Produktion glasierter Keramik auch für den Raum Regensburg-Eining wahrscheinlich machen konnte (M. Gschwind, Abusina. Das römische Auxiliarkastell Eining an der Donau vom 1. bis 5. Jahrhundert n. Chr. Münchner Beitr. Vor- u. Frühgesch. 53 [München 2004] 242–245). Demnach kann man davon ausgehen, dass die aus Regensburg vorliegenden, glasierten Reibschüsseln eben nicht (nur) – wie von den Autoren suggeriert – aus dem Augsburger Raum kommen (S. 244), sondern sicherlich zumindest zum Teil auch aus Töpfereien in der Region stammen.

Hinsichtlich der Herkunft der Glasgefäße hätte man sich einen Hinweis auf einen von A. Rottloff vorgelegten Produktionsrest aus den Niedermünster-Grabungen gewünscht, welcher für das (spätrömische) Regensburg einen Nachweis für lokale Glasproduktion darstellt (vgl. A. Rottloff, in: M. Konrad, Die Ausgrabungen unter dem Niedermünster zu Regensburg II. Bauten und Funde der römischen Zeit. Auswertung [München 2005] 63). Der oft selektive, aktuelle Forschungsergebnisse nicht selten ausblendende Charakter in den Ausführungen zeigt sich besonders deutlich bei der Frage nach dem Beginn einer nennenswerten Präsenz von Germanen in Regensburg. So liegt etwa der Behauptung eines massiven germanischen Fundeinschlags bereits ab dem Ende des 4. Jahrhunderts (S. 253), bezugnehmend auf Funde aus dem Niedermünster und der Grasgasse, ein in weiten Teilen hinlänglich veralteter Forschungsstand zugrunde. Hier hätte eine Berücksichtigung der abschließenden Publikation der Befunde und Funde unter dem Niedermünster (vgl. M. Konrad, Die Ausgrabungen unter dem Niedermünster zu Regensburg II. Bauten und Funde der römischen Zeit. Auswertung [München 2005] bes. 104–107), die in diesem Kontext überhaupt nicht rezipiert wurde, ein wesentlich differenzierteres Bild geliefert. So ist für das Niedermünster etwa eine signifikante germanische Präsenz gesichert erst etwa ab der Mitte des 5. Jahrhunderts nachzuweisen (ebd. 106).

Von allgemein mangelnder Sorgfalt im Text zeugt die mehrfach festzustellende Verwendung von fehlerhaften Fachausdrücken und Bezeichnungen: So liest man auf S. 101 legati Augusti pro praetore legionis III Italicae anstatt korrekt legati Augusti pro praetore provinciae Raetiae bzw. legati legionis III Italicae; auf S. 190 municipium Augusta Vindelicum anstatt richtig municipium Aelia Augusta. Auch bei den Abbildungen sind sowohl in der Darstellung als auch den Bildunterschriften mehrfach Fehler festzustellen: Das Luftbild des mutmaßlichen Heiligtums in der Augustenstraße Abb. 128 (S. 156) ist falsch gespiegelt dargestellt. Die auf Abb. 134 (S. 158) dargestellten, bemalten Putzfragmente stammen – entgegen der Bildunterschrift – nicht aus der Ostengasse, sondern aus einem südlich des Ostenstadels aufgedeckten, römischen Keller (vgl. S. 158, Abb. 133). Auf S. 223 wird im Text mit Abbildungsverweis Bezug auf eine Statuette aus der Grabung Augustenstraße in den Canabae genommen. Gemeint ist eine Statuette der Juno, welche sich denn auch in der Vorgängerpublikation von 1996 (dort S. 181 Abb. 63) wiederfindet. Abgebildet ist in der neuen Publikation stattdessen jedoch eine Statuette aus der Grabung Grasgasse innerhalb des Legionslagers (S. 223, Abb. 234). Als Bildquellennachweis begnügt man sich, soweit diese aus anderen Publikationen übernommen wurden, mit der Angabe der jeweiligen Autorennamen in der Bildunterschrift, wobei für nicht wenige Abbildungen gar selbst diese rudimentären Quellenangaben fehlen.

Das Literaturverzeichnis (S. 268–282) ist mit über 13 Seiten erfreulich umfangreich, allerdings keineswegs umfassend; zur besseren Übersicht wäre zudem eine Untergliederung nach allgemeinen und Regensburg-spezifischen Literaturhinweisen wünschenswert gewesen. Auch hätte man noch verschiedene Artikel und Beiträge nach Ansicht des Rez. zusätzlich aufführen können, zur Donausiedlung etwa: M. Schmidt, Neues zur Donau- siedlung unter dem Regensburger Stadttheater. Arch. Jahr Bayern 1999 (2000), 50−52; zum Legionslager: L.-M. Dallmeier, Neues zum Judenghetto. Archäologische Untersuchungen am Neupfarrplatz/ Kramwinkel in Regensburg. Denkmalpfl. Regensburg 3 (1991/92) 67–78; M. Gschwind, Römische Befunde am Neupfarrplatz. In S. Codreanu-Windauer/ L.-M. Dallmeier/ G. H. Waldherr (Hrsg.), Römerforschung in Regensburg an der Jahrtausendwende. Regensburger Kolloquien zur Archäologie 2000 (Regensburg 2000) 16; zu den Canabae: D. Ziegler, Römer am Dörnbergpark. Ausgrabungen in der Wittelsbacherstrasse 8–10 in Regensburg, Oberpfalz. Arch. Jahr Bayern 2012 (2013), 105–107; J. Scherbaum/ M. Dumler, Römisch und romanisch. Neue Befunde zu den Canabae legionis und zur Ostenvorstadt in Regensburg, Oberpfalz. Arch. Jahr Bayern 2014 (2015), 108–111; S. Codreanu-Windauer/ F. Loré, Lücken schließen in der Trothengasse – Eine spätkaiserzeitliche Grabgruppe vor den Mauern von Castra Regina. Stadt Regensburg, Oberpfalz. Arch. Jahr Bayern 2016, 88–90; zur ländlichen Besiedlung: F. Loré, „Heute back ich…“. Villa rustica und mittelalterliche Öfen im Regensburger Marinaquartier. Stadt Regensburg, Oberpfalz. Arch. Jahr Bayern 2014 (2015), 138–140.

Teilweise fehlen gar Literaturangaben zu Publikationen, auf die im Buch ganz unzweifelhaft Bezug genommen wird, wie etwa die Arbeit von W. Czysz, Die römische Darre von Möttingen im Ries. Eine Studie zur landwirtschaftlichen Funktionsarchitektur in Raetien. Ber. Bayer. Bodendenkmalpfl. 57, 2016, 195–232, aus der auch zwei Abbildungen entnommen sind (S. 156 Abb. 130–131).

Abschließend ist die Frage nach dem angesprochenen Leserkreis zu stellen. Layout und Gestaltung, so die mit 267, zumeist farbigen Abbildungen opulente Illustration des Buches, wie auch die inhaltliche Bandbreite legen nahe, dass sich die populärwissenschaftliche Publikation an ein möglichst breites Publikum wendet. Dem wohl als Hauptadressat anzusehenden, geschichtlich interessierten Laien kommt darüber hinaus die allgemeinverständliche, teils gar launige Sprache, wie auch die umfangreichen, erläuternden Passagen zu allgemeinen Sachthemen zugute. Für diesen mag das vorliegende Buch denn auch – trotz der angesprochenen Defizite – eine brauchbare Einführung in die römische Geschichte und Archäologie aus dem Blickwinkel Regensburgs sein. Für den speziell am römischen Regensburg interessierten Laien bietet der nur unwesentlich ältere Führer von G. H. Waldherr hier allerdings eine sinnvolle, komprimierte Alternative (G. H. Waldherr, Römisches Regensburg. Ein historischer Stadtführer [Regensburg 2015]).

Dem Fachpublikum hingegen ist mit der Arbeit von K. Dietz und Th. Fischer aufgrund ihrer verschiedenen, in der vorliegenden Besprechung lediglich exemplarisch aufgezeigten, sachlichen und inhaltlichen Mängel, der häufigen Vermischung von Hypothesen und gesicherten Fakten sowie der vielfach unzureichenden Rezeption aktueller(er) Forschungsergebnisse wenig gedient; als Referenzwerk für den aktuellen Forschungsstand zum römischen Regensburg ist das Buch jedenfalls aus den genannten Gründen in wesentlichen Teilen als ungeeignet zu betrachten.

Zusammenfassend bleibt festzuhalten, dass die Ansprüche, welche man an ein neues (populär-)wissenschaftliches Standardwerk im Sinne einer aktuellen Synthese zum römischen Regensburg stellen darf, dieses Buch leider in keinem Fall erfüllt. Ungeachtet dessen zeigt das Buch einmal mehr die Bedeutung des römischen Regensburg in der Geschichte der Provinz Raetien, gleichrangig zu Orten wie Augsburg und Kempten, seinen teilweise noch immer unterschätzten Stellenwert für die Provinzialrömische Archäologie im Allgemeinen und zudem das immense Potential für zukünftige Forschungen auf. Vor diesem Hintergrund bleibt zu hoffen, dass es nicht erneut mehr als 20 Jahre dauert, bis ein adäquates Überblickswerk, das dann wieder diesen Namen verdient, erscheint.