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Kommission für bayerische Landesgeschichte

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Kristin Steenbock

Zeitgeistjournalismus. Zur Vorgeschichte deutschsprachiger Popliteratur: Das Magazin „Tempo“

(Lettre), Bielefeld 2020, transcript, 234 S. m. Abb., ISBN 978-3-8376-5129-4


Rezensiert von Burkhart Lauterbach
In: Bayerisches Jahrbuch für Volkskunde
Erschienen am 29.09.2022

Mit ihrer am Institut für Germanistik an der Universität Hamburg entstandenen Dissertation verfolgt die Autorin das Ziel, auf der Basis eigener Beschreibung und Analyse der Beiträge in einem sogenannten Zeitgeistmagazin in den Jahren zwischen 1986 und 1996 ein Stück deutschsprachiger Popliteratur ab Mitte der 1990er Jahre rekonstruieren zu können. In ihrer „Ausgangsthese“, wohl eher ihre Hypothese, spricht sie davon, „dass jener Zeitgeist und die Art seiner journalistischen Präsentation auf mehreren Ebenen maßgeblich für das historische Phänomen Popliteratur waren“ (7). Es geht also darum, diachron und synchron zu erkunden, mit welchen populärkulturellen Einflüssen und Auswirkungen von Seiten des Zeitschriftenjournalismus auf die literarische Produktion von Autoren wie Christian Kracht, Florian Illies und Joachim Bessing wir es zu tun haben.

Die Arbeit ist so aufgebaut, dass einer ausführlichen Einleitung (Forschungsstand, Begrifflichkeiten, Theoriebezüge, Textauswahl) zwei weitere Teile folgen, in denen zum einen die Geschichte des Magazinjournalismus in seiner Bedeutung als Kontext der Popliteratur thematisiert und problematisiert wird (33‒82) und in denen zum anderen das exemplarische Zeitgeistmagazin „Tempo“ unter vier verschiedenen Aspekten (Generation, Gender, Nation, Konsum) detailliert zur Auswertung kommt (83‒200). Im Abschlusskapitel wird noch einmal resümierend auf die Wechselbeziehungen zwischen den beiden zur Diskussion stehenden Formen, Inhalten und Medien von zeitgenössischer Textproduktion rekurriert. Und nicht nur das: Just hier schließt die Autorin strategische Überlegungen an, welche sich auf die Fachgeschichte der Germanistik beziehen, dies unter besonderer Berücksichtigung ihrer Konkurrenz und potentiellen Kooperation mit den erst seit wenigen Jahrzehnten existierenden Medienwissenschaften. Einen Empirischen Kulturwissenschaftler erfreut insbesondere, dass sich auf der allerletzten Textseite von „Zeitgeistjournalismus“ eine Art Bekenntnis findet, demzufolge die Cultural Studies „einen wichtigen Anknüpfungspunkt der vorgestellten Ergebnisse dieser Studie“ (214) darstellen. Na bitte!