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Kommission für bayerische Landesgeschichte

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Aktuelle Rezensionen


Kurt Luger

Tourismus – Über das Reisen und Urlauben zu unserer Zeit

(Innovativ und kompakt – gesellschaftliche Herausforderungen der Gegenwart), Wiesbaden 2022, Springer VS, XVI, 297 Seiten, ISBN 978-3-658-36459-5


Rezensiert von Burkhart Lauterbach
In: Bayerisches Jahrbuch für Volkskunde
Erschienen am 31.08.2023

Kurt Luger, Inhaber des UNESCO-Lehrstuhls für Kulturelles Erbe und Tourismus am Fachbereich Kommunikationswissenschaft der Universität Salzburg sowie Vorsitzender der Gesellschaft für Zusammenarbeit Alpen-Himalaya (Öko-Himal), hat ein solides Taschenbuch vorgelegt, welches in transdisziplinärer Perspektive und in „einer integrativen Sicht“ (X) das derzeitige Geschehen auf dem Sektor der Freizeitmobilität einer kritischen Analyse unterzieht. Die durchgehend problemorientierte Argumentation verfolgt das Ziel, „globale bzw. gesamtgesellschaftliche Erscheinungen mit den individuellen Dispositionen“ (X) zusammenzubringen und zu erörtern, anders gesagt, die jenen Sektor dominierenden Handlungsabläufe, Interessen und Zielsetzungen auf den Erving Goffman’schen Vorder- und Hinterbühnen näher in den Blick zu nehmen, um solchermaßen eine Studie aus einem Guss entwickeln zu können. Dass in diese Schrift jede Menge Einsichten und Einschätzungen aus des Autors mannigfaltigem und jahrzehntelangem wissenschaftlichen Schaffen einfließen, liegt auf der Hand. Dass er zudem eine Erklärung abgibt, der zu Folge er „von der einen oder anderen meiner Publikationen abgeschrieben habe“ und „sie als Verweise“ anführe (XIII–XIV), ehrt ihn geradezu.

Der Einleitung folgen sechs umfangreiche Kapitel, in denen Antworten auf die Fragen danach gesucht werden, wann, wo, wie, wodurch, warum und mit welchen Folgen es zur uns bekannten Form von Freizeitmobilität gekommen ist – und wer die ausschlaggebenden Akteurinnen und Akteure gewesen sind. Es wird das Verhältnis von Nähe und Ferne einschließlich der dazugehörigen Gefühlswelten geklärt, ebenso öffentliche und private Praxisformen; es wird der Geschichte des allgemeinen Reisens und der speziellen Tourismuspraxis nachgegangen, auch den Beziehungen zwischen Reiserealität und Traumwelten, nicht zu vergessen das Verhältnis zwischen Gegenwart und Vergangenheit. In weiteren zwei Kapiteln erfolgt eine ins Grundsätzliche gehende Problematisierung des touristischen Geschehens im Hinblick auf den Klimawandel (am Beispiel des Alpentourismus) und auf die Entwicklungspolitik (am Beispiel von Dorfgemeinschaften sowie landwirtschaftlichen Tätigkeiten), wobei jeweils auch alternative Praxisformen in die durchgehend diskursiven Abhandlungen einbezogen werden. In weiteren zwei – den Band abschließenden – Kapiteln entwickelt Luger einen Katalog von Praxisschritten, welche einerseits dem Prinzip der Nachhaltigkeit verpflichtet sind (von „Trendwende“ ist die Rede, 240) und andererseits eine Form von Vision beinhalten, welche darauf hinausläuft, dass, in welcher Art und Weise sowie mit welcher konkreten Zielsetzung der reisefreudige Teil der Menschheit künftig unterwegs sein könnte: „Welterfahrung sammeln, sich den Freuden an fremden Orten hingeben ohne dort oder anderswo auf dem Weg zur Belastung zu werden – wäre das nicht eine erstrebenswerte Perspektive für einen ‚minimalinvasiven‘ Tourismus?“ (297)

Kurt Lugers neueste Veröffentlichung erfüllt auf jeden Fall den Anspruch, „innovativ und kompakt“ daherzukommen – siehe den Titel der Publikationsreihe. Sie lässt sich deutlich der buchwissenschaftlichen Kategorie der Einführungsliteratur zuordnen – kein Zweifel. Ob es sinnvoll sein kann, weitere Auflagen durch aussagekräftige Abbildungen anzureichern, das sei dahingestellt. Was jedoch fehlt, ist ein ausführliches Quellen- und Literaturverzeichnis im Anhang des Bandes; die jeweiligen Angaben aus den Fußnoten herauszusuchen, ist ausgesprochen mühsam und umständlich.