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Kommission für bayerische Landesgeschichte

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Aktuelle Rezensionen


Christoph Kürzeder/Anna-Laura de la Iglesia y Nikolaus (Hg.)

1121. 900 Jahre Kloster Beuerberg

(Kataloge und Schriften des Diözesanmuseums für christliche Kunst des Erzbistums München und Freising 78), München 2022, Diözesanmuseum München-Freising/Volk Verlag, 504 Seiten, zahlreiche Abbildungen


Rezensiert von Johann Kirchinger
In: Zeitschrift für bayerische Landesgeschichte
Erschienen am 12.09.2023

Klostermonographien haben sich in den vergangenen Jahren zu einem festen Genre in der bayerischen Landesgeschichte entwickelt. Es gibt einen festen Kanon an Themen und auch die Autoren kehren immer wieder. So ist es auch bei der Klostermonographie des ehemaligen Augustiner-Chorherrenstifts Beuerberg in Oberbayern, die anlässlich des 900-jährigen Klosterjubiläums erschienen ist. Insgesamt 28 Aufsätze beschäftigen sich mit den kirchen-, pastoral-, wirtschafts-, musik-, wissenschafts-, literatur- bzw. bibliotheks- und kunstgeschichtlichen Aspekten der Klostergeschichte. Dabei ist hervorzuheben, dass das Genre der Klostermonographie mittlerweile Abbildungen von hoher Qualität erfordert, was der vorliegende Band in hervorragender Weise erfüllt.

Der allgemeingeschichtliche Teil enthält u.a. eine tabellarische Auflistung der Ereignisse der Klostergeschichte (Patrick Charell), was eine analytische Darstellung nicht ersetzen kann; eine Darstellung der Klosterhofmark aus der Hand des Rechtshistorikers Reinhard Heydenreuter, dem am konkreten Beispiel die realtypische Beschreibung eines derartigen Niedergerichtsbezirks in geistlicher Hand gelingt; eine Geschichte der pastoralen Bemühungen des Stifts, wofür es eigentlich gegründet wurde (Florian Sepp).

Es folgt ein Teil mit Aufsätzen zur klösterlichen Ökonomie. Elisabeth Weinberger beschäftigt sich mit der eigenen Landwirtschaft des Stifts. Die Kulturhistoriker Andreas Otto Weber und Isabella Hödl-Notter beschreiben die Bemühungen des Stifts um eine ausreichende Weinversorgung, was wegen der recht späten Gründung nicht einfach war. Daher kam es zu strategischen Erwerbungen von Gütern und Rechten nicht nur im Weinanbaugebiet Südtirols, sondern auch in Gebieten entlang des Transportwegs dorthin. Von heimatgeschichtlichem Wert sind die von Maria Hildebrandt erforschten Beuerberger Hofgeschichten. Rein anekdotischen Charakter hat der Aufsatz von Christopher Kast über Beuerberger Episoden aus Offizialatsprotokollen. In diesem Teil steht der Umfang der agrarhistorischen Beiträge in einem Missverhältnis zur allgemeinen wirtschaftlichen Situation des kleinen Stifts, über die man kaum etwas erfährt.

Im nächsten Teil, der sich einem älteren Verständnis von Kulturgeschichte widmet, findet sich ein Aufsatz über die Bibliotheksgeschichte (Caecilia Désirée Hein), welcher zeigt, dass das Stift am Ende des 18. Jahrhunderts erhebliche Anstrengungen zum Ausbau seiner Bibliothek unternahm, was im Rahmen der begrenzten Möglichkeiten allerdings nicht an das benachbarte Polling heranreichen konnte. Auch die Anstrengungen im Bildungswesen, die Florian Sepp untersucht, waren einerseits beachtlich, andererseits von der geringen materiellen Ausstattung des Stifts begrenzt. Aus der bewährten Feder des Musikhistorikers Robert Münster (gemeinsam mit Patrick Charell) stammt eine Darstellung der ebenfalls beachtlichen musikalischen Geschichte des Stifts Beuerberg. Äußerst bemerkenswert nicht zuletzt in sprachgeschichtlicher Hinsicht sind die schauspielerischen Unternehmungen des Stifts, die Wilhelm Liebhart darstellt, vor allem wegen der zahlreichen Eigenproduktionen in bayerischer Mundart. Dem allgegenwärtigen modischen Klimathema ist wohl der Aufsatz Peter Winklers über die meteorologischen Beobachtungen im Stift Beuerberg geschuldet. Denn diese waren nicht besonders umfangreich und nicht mit denjenigen anderer geistlicher Institutionen zu vergleichen.

Ein dritter Teil behandelt die Kunstgeschichte Beuerbergs, die insbesondere der bewährten Feder von Lothar Altmann anvertraut ist. Quellenbasiert erarbeitet er die Bedeutung der Beuerberger Stiftskirche als frühbarocke Inkunabel mit bisher kaum beachteter Vorbildwirkung.

Ein letzter Teil beschäftigt sich mit der Säkularisation des Stifts (Katharina Weigand). Hierbei steht wenig überraschend der letzte Propst Paul Hupfauer im Zentrum (Michael Schaich). Nicht nur, weil dieser letzte Propst von herausragendem Intellekt war, sondern vor allem deshalb, weil er an der Aufhebung der bayerischen Klosterlandschaft aktiv beteiligt war.

Den Autoren, die in dieser Rezension nicht alle gewürdigt werden können, gelingt es, Möglichkeiten und Grenzen der kulturellen Leistungen eines der kleineren Stifte Bayerns aufzuzeigen. Immer wieder wurden die Leistungen von den vergleichsweise geringen materiellen Möglichkeiten des Stifts beeinträchtigt. Umso mehr ist zu bedauern, dass die wirtschaftliche Gesamtgeschichte des Stiftes keiner Würdigung unterzogen wurde. Trotzdem ist die Beuerberger Klostermonographie ein Beispiel für das mittlerweile erreichte hohe Niveau bayerisch-landesgeschichtlicher Klostergeschichten.