Aktuelle Rezensionen
Ralf Höller
Die Bauernkriege 1525/26. Vom Kampf gegen Unterdrückung zum Traum einer Republik
Bozen 2024, Kohlhammer Raetia, 266 Seiten inklusive Orts- und Personenregister
Rezensiert von Helmut Flachenecker
In: Zeitschrift für bayerische Landesgeschichte
Erschienen am 27.02.2026
Der auffällige Plural „Bauernkriege“ im Titel bezieht sich wohl auf die Ereignisse in Brixen und im Salzburgischen. Im Mittelpunkt steht, wenn auch im Titel nicht genannt, Michael Gaismair. Höller bietet eine stark erzählerische Darstellung mit vielen Ausflügen in die Biographie der Hauptprotagonisten. Diese baut auf die bereits geleistete Forschung auf, eine Analyse neuerer Quellenfunde findet sich hier nicht. Sie stützt sich dabei auf die Biographien von Michael Forcher (2020), Josef Macek (1988) und Jürgen Bücking (1978), ohne aber die eigene Gaismair-Biographie (2011) des Autors in der Bibliographie auch nur zu erwähnen.
Zielgruppe des Bandes ist ein breiterer Leserkreis, daher bietet er eine sehr flüssig geschriebene Darstellung, die sich erfreulicherweise wenig in kaum belegbaren Spekulationen verliert, ferner Forschungsfragen nennt, aber Vieles offen lässt. Als Einführung in die Ereignisse gedacht, enthält sie allgemeine Überlegungen zur damaligen politischen, sozialen und wirtschaftlichen Situation. Außerdem wird auf die übrigen Aufstände in Schwaben, Württemberg, Elsass und Franken in sehr kursorischer Weise hingewiesen.
Der bereits angesprochene Pluraltitel „Bauernkriege“ wird nicht weiter erklärt, ob nun die zwei Aufstände in Tirol und (wesentlich kürzer) in Salzburg gemeint sind, oder es doch ein Hinweis auf die generelle Fragestellung sei, ob es sich um ein strukturell verbundenes Ereignis „Bauernkrieg“ handelte oder doch mehr um unverbundene regionale Aufstände. Bisweilen finden sich im Text Hinweise auf fehlende „koordinierte Aktionen“ mit einer nicht vorhandenen gemeinsamen politischen Führung, was eher auf keine geschlossene Aufstandsbewegung hinweist. Es gab, so ein Hinweis am Ende, „keinen einheitlichen Bauernkrieg“.
Im Mittelpunkt stehen die Ereignisse im Hochstift Brixen, in der Stadt Brixen selbst, ferner die Auseinandersetzungen mit dem Augustinerchorherrenstift Neustift sowie in den benachbarten Bergbauregionen, etwa in Sterzing, wo Gaismair herkommt. Dessen sozialer Aufstieg vom Bergbauerntum und Bergwerkswesen zum Bürger der Stadt Brixen wird detailreich vorgestellt und auf dessen Grenzen hingewiesen. Immer wieder stand bei den Aufständischen die Rückkehr zu den alten, meist mündlich tradierten Rechten im Mittelpunkt. Häufig entzündete sich der Streit bei Fischereirechten: bei Peter Paßler an Seen im Antholzer Tal, oder in Brixen in Auseinandersetzung mit Neustift. Dieses Phänomen lässt sich häufiger nachweisen, um nur ein Beispiel zu nennen, bei den Bürgern der Bistumsstadt Eichstätt mit dem Bischof. In Eichstätt wie in Brixen ist es dann die Gemein, die neben dem Rat mehr und mehr Einfluss gewann (wie auch etwa in Würzburg).
Nun soll hier die Geschichte der Aufstandsbewegungen in Tirol und des zweiten Salzburger Aufstandes (1526) und die Involvierung von Michael Gaismair nicht nacherzählt werden, denn diese ist bekannt bzw. wird in diesem Buch nacherzählt. Intensiv beschäftigt Verf. sich mit der Landesordnung von 1526 – die Bezüge zu verfassungsrechtlichen Texten aus dem ausgehenden 18. und 19. Jahrhundert wirken etwas bemüht, zumal etwa die invocatio Dei zu Beginn der Ordnung ein mittelalterliches ‚Produkt‘ ist – und deren Einordnung als revolutionären Text. Gaismair war, der vorliegenden Darstellung zufolge, ein Revolutionär, der aber keine Revolution auslösen konnte. Auch hier sind die gezogenen Parallelen zu Revolutionen des 20. Jahrhunderts sehr postuliert, zumal diese kaum näher dargestellt werden.