Aktuelle Rezensionen
Erwin Frauenknecht/Peter Rückert (Bearb.)
Herzog Ulrich und die Bauern im Krieg von 1525
Ostfildern 2025, Jan Thorbecke, 102 Seiten, zahlreiche Abbildungen
Rezensiert von Helmut Flachenecker
In: Zeitschrift für bayerische Landesgeschichte
Erschienen am 09.03.2026
Als „Begleitbuch und Katalog“ zu einer gleichnamigen Ausstellung des Hauptstaatsarchivs Stuttgart greift der Band ein spezifisch württembergisches Thema auf: Herzog Ulrichs zweimaligen Versuch im Jahre 1525, sein 1519 verlorenes Herzogtum wieder zurückzuerobern, zunächst mit eigenen Söldnern (zumeist aus der Schweiz), und dann in einer kurzfristigen Verbindung mit der „Christlichen Bruderschaft“ mit Hegauer Bauern: Ein Landesfürst verbündet sich mit Bauern? Dies war eine schiere Unmöglichkeit und nach wenigen Tagen war das ungleiche Bündnis zu Ende. Regionale Bauernkriegsunruhen verbinden sich hier mit dem Versuch eines Herzogs, sein verlorengegangenes Territorium wieder zurückerhalten zu wollen. Diese spezifisch württembergischen Ereignisse bringen eine neue Facette in das Panorama unterschiedlicher regionaler Auswirkungen der religiös-sozial motivierten Aufstände, welche gemeinhin unter dem schwierigen Begriff „Bauernkrieg“ summiert werden. Natürlich sind reformatorische Einflüsse nicht zu leugnen und auch die wirtschaftlichen Hintergründe des „Vfrurs“ ähneln jenen in den Nachbarregionen, aber letztlich scheinen doch die regionalen Zielrichtungen entscheidender für den Ablauf gewesen zu sein. Dafür sprechen im Falle Württembergs das besonders ausgeprägte Selbstverständnis des Herzogs wie auch die Anhänglichkeit weiter Teile der Bevölkerung an das geschasste Landesoberhaupt, welche die habsburgische Statthalterregierung nicht nachhaltig zerstören konnte. Und weder sein eigenhändiger Mord an seinem Nebenbuhler (?) Ulrich von Hutten noch die Flucht seiner Frau Sabina wie auch die gewaltigen Ausgaben für seinen Hof – mit einhergehender zunehmender Steuerlast für die Untertanen – konnten daran etwas ändern.
In Ausstellung wie Katalog stechen das „Wildschwein von Urach“ heraus, sowohl in einem Gemälde wie in der hölzernen Nachbildung als Ausdruck einer triumphalen Jagdbegeisterung Herzog Ulrichs. Ein besonderes Zeichen für die Anhänglichkeit der Bevölkerung ist der sogenannte Ulrichstein (vor 1523) mit den Inschriften „Vive dux Vlreiche“ bzw. „Hie gut Wirteberg alweg“. Dieser kleine Stein weist darauf hin, dass in den 1520er Jahren weitere Exemplare wohl mehrfach unter den Anhängern im Umlauf gewesen zu sein scheinen. Konsequent enden Katalog wie Ausstellung mit der Rückkehr des Herzogs 1534. Die gezeigten Archivalien bemühen sich, viele zeitgenössische Stimmen zum Sprechen zu bringen, um die Vielfalt der Interpretationen der Ereignisse deutlich zu machen.
Der sehr gelungene Band beginnt mit vier wissenschaftlichen Betrachtungen: Peter Rückert schreibt zum Verhältnis zwischen Herzog Ulrich und den Bauern, Erwin Frauenknecht nimmt die gescheiterte Rückkehr des Herzogs 1525 in den Mittelpunkt, Clemens Regenbogen befasst sich intensiv mit der zweiwöchigen Verbindung des Herzogs mit der „Christlichen Bruderschaft“ und Andreas Deutsch setzt sich mit dem Stuttgarter Stadtschreiber Johann Elias Meichsner und dem Maler und Bauernkanzler Jörg Ratgeb auseinander. Während Meichsner nach langem Gefängnis freikam, wurde Ratgeb 1525 hingerichtet. Sein gezeigter Dreikönigsaltar (um 1520) dokumentiert sein beeindruckendes Können. Künstler unter den Aufständischen? In Würzburg sorgt Tilmann Riemenschneider mit seiner Positionierung in den Unruhezeiten bis heute für einen wissenschaftlichen Diskurs. Immerhin: Riemenschneider hat überlebt.