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Kommission für bayerische Landesgeschichte

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Bodo Plachta

Sommerfrische. Die Sehnsucht der Städter nach dem Leben auf dem Land

München 2025, Allitera, 320 Seiten, zahlreiche Abbildungen


Rezensiert von Susanne Herleth-Krentz
In: Zeitschrift für bayerische Landesgeschichte
Erschienen am 27.03.2026

Über die Sommerfrische, die Sehnsucht der Städter nach dem Leben auf dem Land, hat der Literaturwissenschaftler Bodo Plachta ein kulturhistorisches Buch geschrieben. Deren Ursprung ist schon im 13. Jahrhundert auf dem Ritten in Südtirol bezeugt, wo wohlhabende Bozener Familien den Sommer in ihren Sommerhäusern auf dem Hochplateau zwischen dem Eisack- und Sarntal verbrachten.

In 18 aufwendig recherchierten Kapiteln erkundet der Autor das Geheimnis der Sommerfrische. Allein das Wort ruft bis heute positive Gefühle hervor, erinnert an das Verreisen, an Spaziergänge oder Wanderungen, an Wasser, Sonne und Idylle. Klaus Mann schwärmte: „Luft riecht nach Sommer, schmeckt nach Sommer, klingt nach Sommer“ und Peter Rosegger verknüpfte die jährliche Sommerfrische mit neuer Geistesfrische.

Sommerfrische war Ende des 18. Jahrhunderts das Privileg einer kleinen Minderheit. Erst mit der aufkommenden Industrialisierung konnten immer mehr Menschen verreisen. Anfangs war die Sommerfrische ein Zubrot für die Bauern, sehr schnell aber wurde diese Ferienform organisiert und kommerzialisiert. Das Hochgebirge wie die Küstenlandschaften waren lange nur Durchgangsland. Naturgewalten, alte Mythen und unheimliche Erzählungen schreckten die Sommerfrischler ab.

Lange bevor die Sommerfrische modern wurde, besuchte der Adel bevorzugt Heilbäder. Seit jeher ranken sich um das Wasser alte Mythen der Kulturgeschichte. Trinkkuren erfreuten sich großer Beliebtheit und drängten die Badekuren bald in den Hintergrund. Ländliche Kurorte verwandelten sich in mondäne Bäder. Ohne Kaiser Franz Joseph wäre Bad Ischl nie so berühmt geworden. Das erste Grandhotel wurde 1774 in London eröffnet und bot seinen Gästen exquisiten Komfort. Die wachsenden Ansprüche ließen herrschaftliche Residenzen, Hotels und Landhäuser entstehen. Ohne die Eisenbahn freilich wäre die Sommerfrische vermutlich ein Randphänomen geblieben. Schon 1860 wurden 4,5 Millionen Bahnreisende gezählt und 1890 stieg die Zahl auf 274,5 Millionen Reisende. Entfernungen schrumpften, die Menschen konnten zu erschwinglichen Preisen dem Alltag entfliehen.

Mit der ersten Postkarte am 1. Oktober 1869 breitete sich dieses Medium rasch aus. Auf begrenztem Raum schrieb der Urlauber Grüße an die Daheimgebliebenen und bald war das Bild wichtiger als der Text. Die Ansichtskarten wurden mit nach Hause genommen, um sie Freunden zu zeigen und sich selbst an den Sommerurlaub zu erinnern.

Kurzum: Eine gelungene Analyse dieser speziellen Urlaubsform, basierend auf literarischen wie soziologischen Quellen und zugleich unterhaltsam verfasst. Ein ausführlicher Anhang mit Literaturverzeichnis, Literatur- und Abbildungsnachweis rundet das kompetente Werk ab.