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Kommission für bayerische Landesgeschichte

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Aktuelle Rezensionen


Roman Czaja/Helmut Flachenecker/Katharina Kemmer/László Pósán (Hg.)

Der Deutsche Orden in Europa und in der Region. Festschrift für Udo Arnold zum 85. Geburtstag

(Veröffentlichungen der Forschungsgruppe „Ungarn im mittelalterlichen Europa“ der Universität Debrecen), Debrecen/Toruń/Würzburg 2025, 543 Seiten, zahlreiche Abbildungen


Rezensiert von Dieter J. Weiß
In: Zeitschrift für bayerische Landesgeschichte
Erschienen am 15.04.2026

Der an der Universität Bonn wirkende Udo Arnold hat die vorliegende Festschrift als Doyen der Deutschordensforschung und entscheidender Protagonist ihrer Internationalisierung, als Brückenbauer zwischen polnischen und deutschen Historikern erhalten. In die entscheidend von ihm geprägte Internationale Kommission zur Erforschung des Deutschen Ordens wurden zuletzt auch Wissenschaftler aus Ungarn, Slowenien, Israel und den USA aufgenommen. Entsprechend enthält der Band 32 Beiträge von 33 Forschern aus Deutschland, Polen, Belgien, Tschechien, den Niederlanden, Frankreich, Italien, Österreich, Ungarn, Estland, Schweden und Israel.

Die Thematik „Der Deutsche Orden in Europa und der Region“ ist sehr breit, folglich kann die Einteilung in sechs Blöcke Soziales Umfeld, Personen, Schriftlichkeit, Militärwesen, Europäische Politik und Rezeption nicht völlig überzeugen. Der Mehrwert des Bandes liegt in den häufig aus Archivalien erarbeiteten Einzelbeiträgen, von denen nur einige näher vorgestellt werden können. Themen der polnischen Geschichte und ihrer Verbindungen zum Deutschen Orden behandeln Tomasz Jasiński (Adel von Kleinpolen im Kulmerland), Rafał Kubicki (Der Deutsche Orden bei der Unterstützung der Landbevölkerung in Preußen), Wiesław Długokęcki (Ochsenfleischversorgung auf der Marienburg) und László Pósán (Die Schultheißen in preußischen Siedlerdörfern).

Sylvain Gouguenheim widmet sich der von der Forschung bisher kaum beachteten Kommende Beauvoir der Ballei Lothringen, gelegen in der Champagne, und ihren Beziehungen zum französischen König und Adel. Ein Appendix enthält die Edition von bislang nicht publizierten acht Urkunden. Die Kommende Aachen der Ballei Biesen und ihre schriftliche Überlieferung untersucht Jozef Mertens. Mehrere Beiträge enthalten biographische Studien: Hubert Houben schreibt zu Hochmeister Gerhard von Malberg, Benedikt Weigand zum Deutschordensbischof Johann von Litauen. Libor Jan behandelt den Deutschordensritter Jeschek, einen Sohn der böhmischen Königswitwe Kunigunde und des Zawisch von Falkenstein, Werner Paravicini das Leben und Nachleben des Franco de Mirabello genannt van Halen und Andrzej Radzimiński das Leben und Werk des Nikolaus Kopernikus als Geistlichen. Stephan Flemmig geht den Beziehungen Herzog Georgs des Bärtigen von Sachsen zum Deutschen Orden nach, dessen Bruder Friedrich von 1498 bis 1510 als Hochmeister amtierte.

Mehrere Aufsätze behandeln literarische Texte und hilfswissenschaftliche Fragestellungen. Aaron Schwarz widmet sich einem Gedicht in der Chronik „Narratio de primordiis Ordinis Theutonici“. Anette Löffler geht der Überlieferung der „lectiones sex de vita ipsius“ der hl. Elisabeth nach, deren Gedenktag im Deutschen Orden als Hochfest begangen wurde, und untersucht dazu die liturgischen Texte. Maciej Dorna behandelt das Problem der Echtheit der zehn Urkunden zur Stiftung der Herrschaft des Deutschen Ordens im Kulmer Land (1228-1232), wobei hier neben vier authentischen Diplomen fünf Fälschungen und eine Falschdatierung stehen. In einem umfangreichen und wichtigen Beitrag analysiert Arno Mentzel-Reuters die Urkundenfälschungen einer förmlichen Werkstatt in Akkon aus der Frühzeit des Deutschen Ordens, wobei die Namensfrage – Spital in Jerusalem oder Spital in Akkon – eine wichtige Rolle spielt. Daneben gab es aus unterschiedlichen Gründen noch andere Fälschungen. Weitere diplomatische Untersuchungen sind dem Siegel an einer gefälschten Urkunde des Hochmeisters Paul von Rusdorf (Sławomir Jóźwiak), den Archivalien der lothringischen Kommende Dan mit Urkundenverzeichnis (Dieter Heckmann) und den Anfängen der Registerführung unter Hochmeister Friedrich von Sachsen (Jürgen Sarnowsky) gewidmet.

Militärhistorische Fragen, meist gestützt auf archäologische Forschungen, behandeln Rabei Khamisy und Sven Ekdahl (Schlachtfeld von Tannenberg-Grundwald). Krzysztof Kwiatkowski und Gregory Leighton analysieren und edieren ein Verzeichnis des 15. Jahrhunderts aus dem preußischen Neuenburg mit Angaben zu Amtsträgern und Besitzungen des Deutschen Ordens. In den fränkischen Raum führt Helmut Flachenecker, der dem Umgang mit Kanonen des Deutschen Ordens im Bauernkrieg nachgeht. Die Aufständischen konnten die Übergabe von Kanonen durchsetzen, deren Rückgabe an den Deutschmeister sich lange hinziehen sollte. Im Abschnitt Europäische Politik geht es zunächst um die Auseinandersetzung des fortbestehenden Deutschen Ordens mit dem vormaligen Hochmeister Albrecht von Brandenburg nach der Säkularisation des Ordensstaates Preußen (Bernhard Huber). Renger Bruin behandelt die politische Haltung der Utrechter Ordensritter zur Französischen Revolution und den Deutschen Orden und den Wiener Kongreß.

Mehrere Beiträge befassen sich mit der Rezeption der Ordensgeschichte im 19. und 20. Jahrhundert: Karl Friedrich Schinkel und die Marienburg (Christofer Herrmann), die Bedeutung der Ordensgeschichte für das Selbstbewußtsein seiner Mitglieder nach P. Peter Rigler (Ewald Volgger), die Hochmeister in der Wiener Medienöffentlichkeit 1894 (Marcus Wüst), die Illustrationen der mittelalterlichen Geschichte Livlands von Dora von Arronet (Juhan Kreem und Tiina-Mall Kreem) und der Historiker Erich Keyser (Marie-Luise Heckmann).

Die vielfältigen Forschungen Udo Arnolds spiegeln sich in der bunten thematischen Zusammensetzung dieses voluminösen und anschaulich illustrierten Bandes wider. Ein Namens- und Ortsverzeichnis und die Bibliographie der Schriften Udo Arnolds für die Jahre 2020 bis 2024 runden die Festschrift ab.