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Kommission für bayerische Landesgeschichte

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Aktuelle Rezensionen


Christof Rolker/Bettina Wagner (Hg.)

Des Kaisers neue Bücher. Mittelalterliche Handschriften der Bamberger Kaiser-Heinrich-Bibliothek in 50 Porträts

(Bamberger Buch-Geschichten 4), Wiesbaden 2024, Ludwig Reichert, 196 Seiten, 76 Abbildungen


Rezensiert von Dieter J. Weiß
In: Zeitschrift für bayerische Landesgeschichte
Erschienen am 11.05.2026

Die Staatsbibliothek Bamberg verfügt als Nachfolgerin der Bamberger Dombibliothek über eine herausragende Sammlung frühmittelalterlicher Handschriften, die auf die Stiftung Kaiser Heinrichs II. an das von ihm gegründete Bistum zurückgehen. Heinrich II. sorgte für den Aufbau einer umfassenden Bibliothek in Bamberg, indem er illuminierte Handschriften in Regensburg, Seeon und der Reichenau in Auftrag gab, italienische Handschriften aus dem Besitz Kaiser Ottos III. stiftete und Klöster veranlaßte, Standardwerke seiner Stiftung zu übertragen. Von den circa 350 bis 450 Codices, die der Kaiser nach Bamberg schenkte oder vermittelte, haben sich 165 Handschriften erhalten. Nach der Säkularisation wanderten sie aus der Dombibliothek in die spätere Staatsbibliothek Bamberg, nur sechs besonders großartige Stücke wurden nach München verbracht, die in der Bayerischen Staatsbibliothek aufbewahrt werden.

Anläßlich des 1000. Todestages Kaiser Heinrichs II. des Heiligen präsentiert die Staatsbibliothek Bamberg eine in doppeltem Sinn repräsentative Auswahl von 50 Codices aus ihrem Bestand. Repräsentativ, weil sich darunter besonders liturgische Handschriften mit prächtigen Illustrationen befinden, repräsentativ aber auch, weil die thematische Breite der Heinrichs-Stiftungen deutlich wird. Das reicht von liturgischen Handschriften über antike Klassiker, juristische, historische, philosophische und musikwissenschaftliche Texte bis zu medizinischen und naturwissenschaftlichen Abhandlungen. Die Heinrichs-Bibliothek ist interessant für Vertreter aller wissenschaftlichen Disziplinen, die sich mit mittelalterlichen Handschriften und Wissenschaften beschäftigen: Theologie und Liturgiegeschichte, Geschichte und Kunstgeschichte, Philologien, Philosophie, Rechtsgeschichte und Musikwissenschaft.

Im Einleitungsteil wird der Leser über die umfangreiche Forschungsgeschichte zu den Bamberger Handschriften orientiert. Die Bedeutung Kaiser Heinrichs II. und seine Darstellung als „rechtgläubig, groß, friedensstiftend“ in verschiedenen Handschriften würdigt Bernd Schneidmüller, der drei zentrale Texte zum Tod des Kaisers präsentiert und übersetzt – aus der „Missa Heinrici imperatoris specialis“ und aus den „Carmina Cantabrigensia“. Die Überlieferungsgeschichte der Handschriften stellt Christof Rolker vor, die liturgischen Handschriften behandelt Harald Wolter-von dem Knesebeck. Auch die Prachteinbände, die Rezeption von Klassikern und die Texte aus den beiden Rechten werden vorgestellt.

Im Katalogteil werden 50 Handschriften präsentiert, darunter mehrere zum Weltdokumentenerbe der Unesco zählende Codices, und mit hochwertigen Abbildungen sichtbar gemacht. Die Farbaufnahmen stammen vom Photographen der Staatsbibliothek Bamberg, Gerald Raab. Es handelt sich um liturgische Schriften, Bibeltexte, Werke der Kirchenväter und weiterer Theologen, Rechtsquellen, Arbeiten antiker Autoren, aber auch naturkundliche und medizinische Abhandlungen. Gleichsam en passant erfährt man in den stets prägnanten und informativen Begleittexten, daß etwa Teile der Bibliothek Gerberts von Aurillac – Papst Silvester II. – über die Kaiser Otto III. und Heinrich II. nach Bamberg gelangten. Für die Überlieferung antiker Texte, besonders die Schriften des Historiker Livius, hat die Bamberger Bibliothek zentrale Bedeutung. Der Band dokumentiert den hohen Rang der Bamberger Kaiser-Heinrich-Bibliothek, bietet einen Einstieg in die bunte Vielfalt frühmittelalterlicher Handschriften und Texte und regt gleichzeitig an, sich ausführlicher mit ihnen zu beschäftigen, etwa über die Kaiser-Heinrich-Bibliothek in den digitalen Sammlungen der Staatsbibliothek Bamberg. Ein umfangreiches Literaturverzeichnis, Personen- und Ortsregister sowie ein Signaturenverzeichnis runden den inhaltsreichen wie ästhetisch sehr ansprechenden Band ab.