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Kommission für bayerische Landesgeschichte

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Ulrich Herr/Jens Nguyen

Adjutanten und Haustruppen. Das militärische Gefolge der deutschen Fürsten und die Haustruppen von 1871 bis 1914

(Kataloge des Bayerischen Armeemuseums 27), Wien 2025, Verlag Militaria, 473 Seiten, durchgehend bebildert


Rezensiert von Stephan Deutinger
In: Zeitschrift für bayerische Landesgeschichte
Erschienen am 18.05.2026

Die Jahr für Jahr wachsende Reihe der Kataloge des Armeemuseums gehört zu den erfreulichsten Erscheinungen in der historischen Publikationslandschaft Bayerns. Gewichtigen Themen gewidmet, akribisch erarbeitet und buchtechnisch opulent ausgestattet, stellen sie stets Geist und Auge gleichermaßen Nährendes bereit.

Dem Titel des vorliegenden Bandes ist es nicht unmittelbar zu entnehmen, aber es handelt sich um ein uniformkundliches Werk, das enzyklopädisch Bekleidung und Ausrüstung der Generaladjutanten und Flügeladjutanten der Fürsten des deutschen Kaiserreiches einerseits und ihrer Leibwachen andererseits in Wort und Bild dokumentiert. Das klingt einfacher, als es in Wirklichkeit ist. Denn im Verlauf der behandelten Geschichtsepoche gab es in jedem Land bestenfalls einige Dutzend solcher Adjutanten mit spezieller Uniform, und auch die Haustruppen waren nicht allzu umfangreich, so daß sich oft nur zufällig einzelne Uniformen oder Uniformteile erhalten haben. Diese erzielen bei Auktionen Spitzenpreise, weshalb das Buch nicht in erster Linie den Sammlern von Militaria zugute kommen dürfte, die selten Gelegenheit haben werden, ein solches Stück zu erwerben. Wertvolle Dienste wird es dagegen jedem Historiker leisten, der Bild- oder Filmdokumente zu erschließen und zu interpretieren hat. Es lehrt ihn, im Gefolge des Herrschers die Adjutanten etwa mit Hilfe ihrer charakteristischen Schärpe ohne weiteres von anderen Militärangehörigen zu unterscheiden sowie Leibgardisten und reguläre Soldaten auf den ersten Blick auseinanderzuhalten.

Die bayerische Adjutantur (S. 216-247) gehörte wie sonst nur diejenige Sachsens und Württembergs ihrer Ausstattung nach zu den Reservatrechten, wovon man aber sehr zurückhaltend Gebrauch machte. Lediglich 14 Offiziere wurden zwischen 1871 und 1914 zu diesem Dienst berufen; unter ihren Kollegen aus anderen Ländern stachen sie durch ihre typische hellblaue Uniformfarbe heraus. Auch die bayerische Leibgarde der Hartschiere (S. 378-419) trug sie, die älteste und traditionsreichste dieser Wachen in Deutschland. Ihre Neusilber-Helme mit vergoldeten Applikationen und Roßhaarbusch, der bei herausragenden Anlässen durch eine große Löwenfigur ersetzt werden konnte, ihr Gala-Waffenrock mit den Silbertressen auf der Vorderseite, darüber die Supraweste, weiße lederne Hosen und Stulpenhandschuhe und die über das Knie reichenden Faltenstiefel verliehen den Hartschieren in Verbindung mit der von ihnen getragenen Stangenwaffe – der Cuise oder Kuse – ein eindrucksvolles, unverwechselbares Erscheinungsbild, das die Gegenwart des Herrschers verkündete und ihn zugleich unnahbar machte.

Ausgezeichnete Farbphotographien all dieser Objekte sowie exakt lokalisierte und datierte Photographien von historischen Anlässen, zu denen sie getragen wurden, vermitteln in vorzüglicher Weise ein zuverlässiges und detailliertes Bild vom Auftreten eines deutschen Bundesfürsten mit seinem militärischen Gefolge. Hinsichtlich der Texterläuterungen ist es ein wenig schade, daß die Autoren im Falle Bayerns „aus Zeitgründen“ keine archivischen Quellen heranziehen konnten (S. 13). Die gebotenen Informationen stützen sich im wesentlichen auf gedruckte Bekleidungsvorschriften und Militärhandbücher. Die Aufgaben und Funktionen der Adjutanten, die ständig um den König bzw. Regenten waren und deshalb zu den einflußreichsten Persönlichkeiten des Landes gehörten, aber dennoch mit wenigen Ausnahmen kaum ihren Namen nach bekannt sind, muß man sich andernorts erschließen; in der reichen Literatur zu König Ludwig II., der allein sieben Flügeladjutanten beschäftigte, wird man rasch fündig.