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Kommission für bayerische Landesgeschichte

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Manfred Pix

Friedrich Benedikt Wilhelm (1841) von Hermann (1795–1868) in multifunktionalen Diensten der bayerischen Könige

2 Teilbände, Neustadt an der Aisch 2025, Ph. C. W. Schmidt, 923 Seiten


Rezensiert von Rainer Jedlitschka
In: Zeitschrift für bayerische Landesgeschichte
Erschienen am 27.05.2026

Friedrich Benedikt Wilhelm von Hermann, geboren am 5. Dezember 1795 in Dinkelsbühl, war ein bedeutender Nationalökonom, Statistiker und Hochschullehrer und gilt als einer der Begründer der modernen volkswirtschaftlichen Statistik in Bayern. Als Professor für Staatswissenschaft in München (ab 1833), Vorstand des Bayerischen Statistischen Bureaus (1839), Abgeordneter der Frankfurter Nationalversammlung (1848/49) und Staatsrat (1855) prägte er die bayerische Wirtschafts- und Sozialpolitik im 19. Jahrhundert. Aufgrund seiner Dienste wurde er in den persönlichen Adelsstand erhoben (1841).

Manfred Pix, Diplom-Verwaltungswirt, Dr. phil. h.c., zuletzt Vizepräsident des Sparkassenverbandes Bayern und seit 1999 im Ruhestand, befasst sich schon seit Ende der 1970er Jahre mit Leben und Werk Hermanns, sammelte Quellen und Literatur zu ihm und seinem Umfeld. An einer 1999 in Zusammenarbeit des Sparkassenverbandes Bayern mit dem Bayerischen Hauptstaatsarchiv erarbeiteten Ausstellung zu Hermann wirkte er mit. Im Ruhestand widmete sich Pix weiter seinem großen Ziel, der „Beschäftigung mit Persönlichkeiten außerhalb des Mainstreams der Geschichte“, wozu er Hermann zählt (Pix in der Vorbemerkung zur Dokumentation, 1. Teilbd.).

Nun legt Pix eine umfangreiche „Dokumentation in Wort und Bild“ zu diesem vor, „als Wissenschaftler, Beamter, Landes- und Bundespolitiker sowie Kunstfreund eine der großen Persönlichkeiten in der bayerischen Staatsverwaltung“ (in der Vorbemerkung, 1. Teilbd.). Der erste, hier vorzustellende Band in zwei Teilbänden mit insgesamt 923 Seiten, Großformat und Hardcover dokumentiert Hermanns Leben und Tätigkeit unter den Königen Maximilian I. Joseph (1821–1825) und Ludwig I. von Bayern (1825–1848) sowie unter Kronprinz Maximilian von Bayern (1839–1848). Ein zweiter Band in zwei Teilbänden soll bis Sommer 2026 vorliegen und die Zeit unter König Maximilian II. von Bayern (1848–1864) umfassen.

Der etwas komplizierte Untertitel der Dokumentation offenbart bereits, wie der Autor und Herausgeber Hermann gesehen wissen will: „Der unaufhaltsame Aufstieg des protestantischen Mathematikers und Nationalökonomen vom unterbezahlten Gymnasialprofessor in Erlangen zum bayerischen Staatsrat im ordentlichen Dienst in München. Dokumentation von Werken, Wirken und Wirkung eines kinderreichen Arbeitslebens in Wort und Bild.“

Versammelt sind Dokumente verschiedener Provenienz aus staatlichen, kommunalen, kirchlichen und privaten Archiven, aus Bibliotheken, aber auch aus Editionen von Tagebüchern oder Briefwechseln sowie zeitgenössischen Werken.

Jedem Teilband ist ein umfangreiches, mehrfach untergliedertes Inhaltsverzeichnis vorgeschaltet. Dieses gliedert sich in die einzelnen Lebensabschnitte von Hermann, die stichwortartig beschrieben werden. Dann folgen die darunterfallenden, fortlaufend nummerierten Dokumente. Innerhalb der Edition sind jedem Dokument eine inhaltliche Überschrift, teilweise mit Kurzregest, und die Fundstelle bzw. der Druckort und ggf. Literatur vorangestellt. In den Quellentexten selbst finden sich Querverweise auf inhaltlich verwandte weitere Dokumente innerhalb der Edition. Teilweise recht umfangreiche Anmerkungen geben Erläuterungen zu Personen, Orten und Sachen mit weiterführender Literatur und Quellen. Illustriert werden die Dokumente mit farbigen und schwarz-weißen Abbildungen etwa von Originaldokumenten, Druckwerken, Orden oder Bildnissen von Persönlichkeiten.

Ein Verzeichnis von Siglen, Abkürzungen, ungedruckten Quellen und Literatur sowie ein vorwiegend biographisches Personenverzeichnis werden im letzten Band der Reihe erscheinen.

Pix trägt der von ihm gewählten Zuschreibung Rechnung, Hermann habe sich „in multifunktionalen Diensten der bayerischen Könige“ bewährt. So finden sich Dokumente sowohl zu seiner administrativen und diplomatischen Tätigkeit als auch in seiner Rolle als Berater und Vertrauter der bayerischen Monarchen. Er trägt dabei mannigfaches Material zusammen, das sowohl die Persönlichkeit Hermanns als auch seine vielseitige Tätigkeit farbig hervortreten lässt. So findet man etwa eine lebendige Charakterisierung in den Tagebüchern August Graf von Platens vom Mai 1822: „Hermann ist äußerst schätzbar, ruhig, klar, ohne alle Parteisucht, und wiewohl Mathematiker, sehr empfänglich für Poesie und einer der größten Verehrer Goethes, die ich kennen lernte.“ (Dok. 11*, 1. Teilbd., S. 11) Man gewinnt einen Eindruck von Hermanns breiter Betätigung, seinem detaillierten Fachwissen und seinem Stil, wenn er etwa dem Kronprinzen Maximilian von Bayern 18 „bildungs-, wissenschafts-, sozial- und wirtschaftspolitische Fragen“ beantwortet. Die Themen reichen vom Volkskalender über das Schulwesen mit Volks-, Lateinschulen und Gymnasien, Lyzeen und Universitäten sowie den technischen Lehranstalten, und von der Verbesserung der Gefängnisse mit der Frage der Resozialisation, der Ansässigmachung und Verehelichung, der Eisenbahn bis zum Sparkassenwesen (Dok. 334, 1. Teilbd., S. 362-386). Oder man liest in einem Exkurs des Herausgebers mit entsprechenden Verweisen auf Dokumente der Edition über Hermanns Beziehung zu Lola Montez und seine Mittlerrolle bei der Bildung des liberalen „Ministeriums der Morgenröte“ durch König Ludwig I. im Februar 1847 (2. Teilbd., S. 367 f.).

Als kleinere Monita seien redaktionelle Nachlässigkeiten wie einzelne Tippfehler, fehlende Buchstaben und Wortabstände sowie die typographische Gestaltung der Dokumentation genannt. Diese wird in der Einleitung vorgestellt und ist etwas eigenwillig. Verwendet werden die – nur graduell unterschiedlichen – Schriftarten „Calibri“ für Hermann (Person, Familie, Freunde, Veröffentlichungen), „Palatino Linotype“ für Hermann und Kronprinz Maximilian (Unterrichtsmaterialien, Gutachten, Antworten und Vorschläge), „Cambria“ für Hermann als Staatsbeamten und „Times New Roman“ für Überschriften und einzelne Dokumente, Fußnoten und Zwischentexte des Herausgebers. Dies ist leider eher verwirrend als klärend. Ein häufiger Wechsel zwischen verschiedenen Schriftarten erzeugt Unruhe und geht zulasten der Lesbarkeit. Auch ungebräuchliche Archivsiglen („BHSA“ statt „BayHStA“, „SAN“ statt „StAN“) stören und erschweren die Zuordnung.

Insgesamt sind jedoch die Gesamtleistung, der ungeheure Fleiß, das Durchhaltevermögen und die kenntnisreiche Zusammenstellung der Dokumente durch den hochbetagten Autor und Herausgeber entlang der Stationen von Hermanns Leben lobend herauszustellen. Pix lässt durch die Quellen das Bild eines Mannes erstehen, der von außen betrachtet als integrer Staatsdiener erscheinen mag, zugleich jedoch ein tiefes Verständnis für die politischen und sozialen Realitäten der Zeit hatte und diese in seinen Handlungen berücksichtigte. Hier findet sich ein reicher Quellenschatz für alle, die sich für die bayerische Verwaltungs- und Hofgeschichte interessieren.