Aktuelle Rezensionen
Hans-Ludwig Grabowski
Das Geld der Bayern. Münzen, Banknoten, Staatspapiergeld und überregionales Notgeld für Bayern 1800 bis 1925
Regenstauf 2025, Battenberg Bayerland, 248 Seiten, zahlreiche Abbildungen
Rezensiert von Matthias Nuding
In: Zeitschrift für bayerische Landesgeschichte
Erschienen am 10.09.2026
Numismatischen Themen kann man sich auf mehreren Ebenen und aus verschiedenen Perspektiven nähern und dies umso mehr, als die Grundlagenforschung zu Münzen und anderen Zahlungsmitteln traditionell nicht nur auf das akademische Milieu beschränkt ist, sondern auch aus den Reihen der Sammlerschaft und des Handels bereichert wird. Wer den Haupttitel der hier vorgestellten Publikation sieht, mag sich im ersten Moment an Bernd Sprengers trefflichen münz-, geld- und währungsgeschichtlichen Überblick „Das Geld der Deutschen“ (1991) erinnert fühlen. Der Verfasser des hier vorzustellenden Bandes hat jedoch eine andere Zielrichtung verfolgt und einen Katalog vorgelegt, der alle bekannten Münzen und Geldscheine aus Bayern im besagten Zeitraum erfasst – mithin das in Bayern emittierte (nicht auch das übrige dort umlaufende) Geld. Sein Anspruch war dabei, „erstmals ein Standard- und Zitierwerk der modernen bayerischen Numismatik und Notaphilie von 1800 bis zum Ende der seit der Reichseinigung 1871 nur noch bedingt eigenständigen bayerischen Geldgeschichte 1925 (im Umlauf bis 1935)“ vorzulegen (S. 5). Der Katalog ist in dem auf Sammlerliteratur spezialisierten Battenberg Bayerland Verlag (vormals Gietl) erschienen, für den Grabowski seit Langem tätig ist. Dass die beiden Objektkategorien Münz- und Papiergeld gemeinsam abgedeckt werden, ist in einschlägigen Publikationen und wohl auch in der Sammelpraxis nicht die Regel; andererseits soll der Band neben Numismatikern und Sammlern zugleich die weiter gefasste Zielgruppe der Geschichtsinteressierten ansprechen (S. 5).
Der Katalog umfasst im Kern die Epoche des von 1806 bis 1918 bestehenden Königreichs Bayern, reicht aber aus praktischen Gründen nach beiden Richtungen ein wenig über diesen Zeitraum hinaus. Das im Titel angegebene Stichjahr 1800 markiert nicht direkt eine historische Zäsur; es liegt aber kurz nach dem Regierungsantritt des letzten Kurfürsten von Pfalz-Baiern und späteren ersten Königs Maximilian Joseph, unter dem 1799 alle wittelsbachischen Fürstentümer wieder in einer Hand vereinigt wurden. Die frühesten im Katalog behandelten Münzen reichen in dieses Jahr zurück. Vor allem während der bis zur Einführung der gemeinsamen deutschen Reichswährung folgenden sieben Jahrzehnte hat die bayerische Geldgeschichte Besonderheiten hervorgebracht, die sich aus dem gewöhnlichen Münzumlauf hervorhoben, etwa Dukaten aus dem Gold der das Land durchströmenden Flüsse Donau, Inn, Isar und Rhein, verschiedene medaillenartige, aber dem Münzfuß entsprechende Prämien- und Fleißtaler als Auszeichnungen für löbliche Leistungen im Schul- und Erziehungswesen sowie insbesondere die einst wie heute überaus beliebten Geschichtstaler, die als frühe Gedenkmünzen gelten. Der Band widmet allen bayerischen Umlaufmünzen bis zum Ende der Monarchie fast durchweg farbig bebilderte Beschreibungen einschließlich der technischen und historischen Daten, nennt die Varianten, Proben, Muster und Abschläge und gibt – last but not least – Bewertungen für verschiedene Erhaltungsgrade an. Auch die ohne staatlichen Auftrag eher für den Sammlermarkt hergestellten, privaten Münzen-Entwürfe des Medailleurs Karl Xaver Goetz (1875–1950) zum Regierungsantritt Ludwigs III. (1913) fehlen nicht.
Dem aus Edelmetall geprägten Kurantgeld traten mit der Zeit, in Europa verstärkt seit dem 18. Jahrhundert, Geldscheine aus Papier zur Seite, die insbesondere beim Transfer größerer Summen praktische Vorteile boten. In Bayern wurden die ersten Banknoten 1836 von der Bayerischen Hypotheken- und Wechselbank emittiert; im Kaiserreich und in der Frühzeit des Freistaats übernahm die Bayerische Notenbank diese Rolle. In der Ausnahmesituation der auf den Ersten Weltkrieg folgenden Jahre trat neben Banknoten und Staatspapiergeld auch überregionales Notgeld einzelner Regierungsbezirke (der „Kreisgemeinden“ Schwaben und Neuburg sowie der Pfalz) oder staatlicher Institutionen – der Zweigstelle Bayern des Reichsverkehrsministeriums, der Abteilung München des Reichspostministeriums und der Generaldirektion der bayerischen Berg-, Hütten- und Salzwerke – auf den Plan. Diese Emissionen gehören (im Gegensatz zum lokalen Geldersatz, der infolge des Ersten Weltkriegs ebenfalls in Umlauf kam) mit zum Gegenstand des Katalogs. Mutatis mutandis wird das Papiergeld in ähnlicher Weise präsentiert wie die Münzen, wobei allerdings die Scheine aus Platzgründen verkleinert abgebildet sind. Wie der Anfang, so fällt auch das Ende der Kataloglaufzeit, 100 Jahre vor dem Erscheinen des Bandes, nicht mit einem verfassungsgeschichtlichen Einschnitt zusammen, sondern hier mit der Währungsstabilisierung nach der Inflation.
Grabowski, der sich in langjähriger Tätigkeit besonders als Notaphilist einen Namen gemacht hat, bietet in seinem Katalog zu allen Objekten Konkordanz-Angaben, die auf etablierte Grundlagenwerke verweisen. Einige der papiergeldkundlichen Titel hat er selbst in demselben Verlag (mit-)publiziert. Als Referenz für die Katalogisierung der Münzen diente ihm besonders der „Große deutsche Münzkatalog“ von Arnold/Küthmann/Steinhilber, aus dessen 39. Auflage (2024) auch die Bewertungen der Münzen übernommen sind (S. 9). Anschauungs- und Bildmaterial steuerte bei den letzteren hauptsächlich die Staatliche Münzsammlung in München bei (S. 5–6). Beim Papiergeld konnte Grabowski mehrheitlich auf eigene Bestände zurückgreifen; berücksichtigt wurde ebenfalls die Geldscheinsammlung der Giesecke+Devrient Stiftung in München (S. 6), eine der bedeutendsten weltweit.
Als Katalog, der seinen Schwerpunkt auf die Präsentation der einzelnen Münzen und Geldscheine sowie der zugehörigen Objektdaten und Marktpreise legt, ist das Werk nur bedingt geeignet zur ausführlichen Belehrung über die historischen oder geldgeschichtlichen Hintergründe – und strebt dies auch gar nicht an. Am Beginn der einzelnen Kapitel, die sich im ersten Teil („Die Münzen Bayerns 1800–1918“) an den Regierungszeiten der Monarchen und im zweiten Teil („Das Papiergeld Bayerns 1836–1925“) an den emittierenden Institutionen orientieren, informieren kurze Einleitungen lediglich anhand der nötigsten Angaben über die jeweiligen Akteure. Einen gewissen Ersatz für diese Leerstelle bietet die Einleitung von Richard Loibl, dem Direktor des Hauses der Bayerischen Geschichte, unter dem Titel „Geld in Bayern – Patriotismus auf der Hand!“ (S. 10–14). Sie ist den 43 Geschichtstalern gewidmet, von denen die meisten Bayerns zweiter König Ludwig I. (reg. 1825–1848) in Umlauf bringen ließ. Diese zunächst als einfache, dann als doppelte Vereinstaler ausgeprägten Münzen widmeten sich schwerpunktmäßig wirtschaftlichen Themen, familiären Ereignissen der Wittelsbacher oder der Denkmalpolitik. Durch sie sollte die Loyalität der Bevölkerung gegenüber dem Staat und seiner Dynastie gestärkt werden, nicht zuletzt in Regionen, die erst mit dem Ende des Alten Reiches an Bayern gefallen waren. Dass ausgerechnet die gediegenen bayerischen Geschichtstaler als Träger politischer Botschaften keine besondere Reichweite entfalteten, lag an ihrer – bis heute ungebrochenen – Begehrtheit bei Sammlern und ihrem relativ hohen Wert, wodurch sie für weite Teile der Bevölkerung schlichtweg nicht zum Alltag gehörten.
Grabowski erklärt im Vorwort, „eine ganze Reihe neuer Erkenntnisse gewonnen“ zu haben, „die helfen, den Kenntnisstand über die moderne bayerische Numismatik zu erweitern“ (S. 5). Worin diese Erkenntnisse im Einzelnen bestehen, wird im Folgenden kaum explizit ausgeführt. Der Vergleich mit den Referenzwerken, etwa dem „Großen deutschen Münzkatalog“, in dem einige von Grabowski vorgestellte Stücke (Nr. 36, 40, 184) nicht vorkommen, oder der Literatur zu Karl Goetz legt nahe, dass damit eine ins Detail gehende Vervollständigung des bis dato bekannten Materials gemeint ist. Dessen redaktionell saubere und präzise Darbietung – sogar die in Frakturbuchstaben gehaltenen Legenden einiger Preistaler werden dokumentarisch in dieser Schrifttype wiedergegeben – und Grabowskis umfassende Objektkenntnis machen den mit Fleiß und Akribie zusammengetragenen Katalog zu einem verlässlichen Nachschlagewerk. Als solches wird der wertig hergestellte Band zweifellos seinen Weg nicht nur in die Regale der Sammler, sondern auch in die Nachweiszitate künftiger Publikationen finden.