Aktuelle Rezensionen
Teresa Schröder-Stapper
Die geschriebene Stadt. Inschriften als urbane Wissenspraxis vom 15. bis zum 17. Jahrhundert
(Frühneuzeit-Forschungen 30), Göttingen 2025, Wallstein, 594 Seiten, 43 Abbildungen
Rezensiert von Ramona Baltolu
In: Zeitschrift für bayerische Landesgeschichte
Erschienen am 21.09.2026
Die aus ihrer Mitarbeit an einem DFG-geförderten Projekt am Historischen Institut der Universität Duisburg-Essen erwachsene Habilitationsschrift Teresa Schröder-Stappers beschäftigt sich mit der Rolle von Inschriften in frühneuzeitlichen Städten. Grundlage für ihre Auswertung bieten die Editionsbände der Reihe „Die Deutschen Inschriften“. Für ihre Untersuchung wählte Schröder-Stapper die Städte Braunschweig, Hildesheim, Ingolstadt, Passau und Helmstedt aus.
Im Mittelpunkt ihrer Arbeit stehen Inschriften als Kommunikationsmedium. Inschriften spiegeln dabei immer die Mentalität ihrer Zeit wider. Sie dienen als Mittel der Publikation wichtig erachteter Inhalte. Sie umfassen ein sehr breites Spektrum an Aspekten und Inhalten, die Schröder-Stapper nach und nach in den Blick nimmt.
Zunächst steckt sie das Thema ausführlich in ihrer Einleitung (Punkt 1) ab. Sie geht dabei auch auf Probleme der Quellenarbeit wie beispielsweise der Überlieferungssituation ein. Da Inschriften keine historischen Quellen sind, die behutsam in Archiven oder Bibliotheken aufbewahrt werden, sind sie ständig unterschiedlichen Umwelteinflüssen ausgesetzt (z.B. Witterung, Baumaßnahmen). Daneben betrachtet die Autorin Inschriften im Zusammenspiel mit ihren Trägern. Sie berücksichtigt dabei sowohl Text und Sprache als auch Ikonographie, Material sowie Standorte der epigraphischen Objekte. Inschriften stellen eine Quellengattung dar, die in den allermeisten Fällen im ursprünglichen Zusammenhang stehen.
Auf die Einleitung folgen drei große Themenkomplexe: Verortung (Punkt 2), Vermögen (Punkt 3) und Versichern (Punkt 4). Beim Punkt Verortung fokussiert sich Schröder-Stapper vor allem auf die kommunale Selbstdarstellung. Sie betrachtet dabei die Rolle des jeweiligen Stadtherrn, aber auch mögliche Konflikte zwischen diesem und der Bürgerschaft, und geht der Frage nach, inwieweit dies öffentlich in Inschriften kommuniziert wurde. Ähnliches gilt für die Konfessionalisierung, die ebenfalls in Inschriften – direkt oder indirekt – thematisiert werden konnte.
Beim Punkt Vermögen stehen Haus und Kirche als Inschriftenstandorte im Mittelpunkt. Hier wird analysiert, welche unterschiedlichen Aspekte zum Tragen kommen. Neben einfachen Baunachrichten finden sich rechtliche Ansprüche oder auch die Bitte um göttlichen Schutz als Inhalte wieder. Gerade bei Inschriften des Totengedenkens in Kirchen spielt nicht nur die Gestaltung des Denkmals selbst, sondern zugleich der ausgewählte Standort eine wichtige Rolle. Insgesamt dienen Inschriften besonders Mitgliedern der städtischen Eliten als ein Medium zur Repräsentation und Selbstdarstellung.
Der Punkt Versichern beschäftigt sich mit allen Aspekten rund um Feinde und Gefahren. Schröder-Stapper identifiziert dabei nicht nur Feinde, die kriegerisch von außen kommen, sondern auch diverse Unruhestifter im Inneren der Stadt sowie mögliche Katastrophen, die die Sicherheit in der Kommune beeinträchtigen können. Sie stellt eine sehr breite Palette an mit Inschriften versehenen Artefakten zusammen, die im weitesten Sinn das Thema betreffen, darunter Geschütze mit motivierenden Beschriftungen oder Inschriften rechtsrelevanten Inhalts bis hin zu Hochwassermarken.
Im Anschluss an diese ausführliche Auswertung gibt sie eine Zusammenfassung in ihrem Resümee (Punkt 5). Sie kommt zum Schluss, dass Inschriften ein Medium der „Gewinner“, also der Ober- und Führungsschichten, waren. Der Band schließt mit diversen Verzeichnissen (Abbildungen, Quellen und Literatur) ab. Über das Inhaltsverzeichnis sowie mithilfe eines Personen- und Ortsregisters kann der Inhalt erschlossen werden.
Die Abhandlung Schröder-Stappers liefert einen sehr breiten und fundierten Überblick über die Möglichkeiten, die Inschriften als Quellen bieten. Da die Autorin die Inschriftentexte in einen weiteren geschichtlichen Rahmen einbettet, finden sich auch viele Informationen zu den einzelnen Stadtgeschichten. Besonders ausführlich geht sie immer wieder auf Braunschweig und Hildesheim ein. Ingolstadt und Passau dienen häufig als Vergleiche. Voraussetzung ist dabei, dass es an den diversen Standorten relevante Inschriftenquellen für die jeweilige Fragestellung gibt. An Fallbeispielen werden die Objekte sowie deren historischer Hintergrund genauer vorgestellt. So analysiert Schröder-Stapper beispielsweise unter 2.1 die Inschriften der Ingolstädter Stadttore und hinterfragt, warum darin die zeitgleiche Auseinandersetzung zwischen Stadtherrn und Bürgerschaft eben nicht thematisiert wird (S. 89 ff.). An einer Grabplatte für den katholischen Bürgermeister von Braunschweig, Barthold Lafferde, zeigt sie unter 4.1 beispielsweise auf, dass die Beisetzung katholischer Eliten auch nach der Reformation noch in der nunmehr evangelischen Kirche unter bestimmten Umständen möglich war (S. 480 f.). Allgemein nehmen im weitesten Sinn Stadtherrschaft (Stadtherr, Bürgerschaft, öffentliche Ordnung, Stadtbefestigung) und Konfessionalisierung (Reformation, katholische Erneuerung, Stiftungswesen, Totengedenken) einen Großteil der historischen Themen, die sich in Inschriften widerspiegeln und im Band behandelt werden, ein.