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Kommission für bayerische Landesgeschichte

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Aktuelle Rezensionen


Paul Rösch/Patrick Rina

Wilde Jahre. Tourismus in Südtirol 1961–1983

Bozen 2025, Edition Raetia, 288 Seiten mit Abbildungen, ISBN 978-88-7283-935-5


Rezensiert von Burkhart Lauterbach
In: Bayerisches Jahrbuch für Volkskunde
Erschienen am 23.09.2026

Im Zusammenhang mit der von der Kulturwissenschaftlerin, Ausstellungskuratorin und Autorin Evelyn Reso erarbeiteten und im Sommer des Jahres 2025 im „Touriseum“ in Bozen, dem einzigen Landesmuseum für tourismusgeschichtliche Themenstellungen im deutschen Sprachraum, gezeigten Sonderausstellung zu Südtirols Tourismusgeschichte hat sich ein substantielles Forschungsprojekt herausgebildet, innerhalb dessen auch der vorliegende Band entstanden ist. Es geht darum, Tourismus „als Motor sozioökonomischer Transformation und als Faktor der Identitätsbildung“ zu betrachten (9). Der Zeitraum der Jahre 1961 bis 1983 hat damit zu tun, dass in der untersuchten Region zu just dieser Zeit ein deutlicher Aufschwung im Bereich tourismusbezogener Aktivitäten in den Bereichen der Produktion, Distribution und Konsumtion stattgefunden hat, abzulesen etwa an der Erweiterung des Spektrums an Unterkünften und Versorgungsmöglichkeiten, an Einrichtungen zur Verbringung von Freizeit, Nutzung derselben, dies im ländlichen Raum wie auch in den Städten, im Winter wie im Sommer. Dabei setzte auch ein deutlicher Wandel in Hinblick auf die touristischen Quellmärkte ein: „Die bundesdeutsche Vormacht [knapp 70 %, B.L.] war eine Spätfolge der Attentatsjahre 1959–1967, als viele italienische Gäste dem bisher beliebten Alto Adige fernblieben, da er als ‚covo del terrorismo‘ [Terroristennest, B.L.] in Verruf geraten war. Deutsche bevorzugten Südtirol aus nationaler Solidarität, zudem winkten neben Gastfreundschaft günstige Preise.“ (16)

Der ausgiebig und mannigfaltig bebilderte Band ist so aufgebaut, dass einem kurzen Vorwort von Paul Rösch und Patrick Rina insgesamt sieben Abteilungen folgen, welche fast durchgängig so strukturiert sind, dass einem eher knappen, kritischen und allgemein ins jeweilige Thema einführenden Artikel aus der Feder der Ausstellungskuratorin und Filmemacherin Adina Guarnieri jeweils zwei Texte von den beiden Autoren folgen, welche, nicht minder kritisch ausgerichtet, die konkrete Tourismusentwicklung Südtirols beschreiben. Da geht es um den gesamten zur Diskussion stehenden Zeitraum ebenso wie um einzelne Phasen, um den Aufschwung ebenso wie um das Aufbegehren, um die „(bröselnden) Utopien“ ebenso wie um die Jahre „des Rückgangs“, „der Gewalt“, schließlich „der sozialen Bewegung(en)“ (6–7). Von zentraler Bedeutung ist dabei die Konkretion der Darstellungen, gleich, ob es um die genaue Entwicklung des Wintersports oder die Herausbildung des Unterkunftstypus’ „Fremdenzimmer“ geht, um den Wandel des Verhältnisses zwischen Reisenden und Bereisten oder etwa um die Beziehungen zwischen Eigen- und Fremdbildern. Man gewinnt den Eindruck, dass kein Aspekt unbeachtet bleibt, so dass man als Rezensent gerne die Empfehlung ausspricht, diesen Band genau zu studieren, wenn man ein Projekt aus dem Bereich der Tourismusentwicklung entwirft, gleich ob es sich auf Deutschland oder ein anderes EU-Land, um einen anderen Erdteil oder gar um weltweit zu beobachtende Vorgänge bezieht. Im Übrigen ist auf die Multidisziplinarität des Bandes „Wilde Jahre“ zu verweisen, richtet er doch seine alltagskulturelle Themenstellung gleichermaßen historisch und gegenwartsbezogen aus, dies unter besonderer Berücksichtigung ökonomischer, soziologischer sowie psychologischer Aspekte, wobei die gesamte Darstellung noch zusätzlich eine Form von künstlerischer Ausrichtung erfährt, welche durch die Qualität und Quantität der einschlägigen Abbildungen vermittelt wird.