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Kommission für bayerische Landesgeschichte

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Martina Zschocke

Reisepsychologie. Warum Menschen auf Reisen gehen

(UTB 6190), Tübingen 2026, UVK, 358 Seiten mit Abbildungen, ISBN 978-3-8252-6190-0


Rezensiert von Burkhart Lauterbach
In: Bayerisches Jahrbuch für Volkskunde
Erschienen am 23.09.2026

Eigentlich stellt es eine ausgesprochen konstruktive Idee dar, zu den verschiedensten Forschungsfeldern des heutzutage in der Regel „Tourismus“ genannten Fremdenverkehrs nicht nur eher allgemeine Einführungen, sondern auch ganz konkrete Lehrbücher erstellen zu lassen und diese auf dem Buchmarkt anzubieten. So hat zum Beispiel die Wissenschaftliche Buchgesellschaft in ihrer Reihe „Geowissen Kompakt“ einen Band von Jürgen Schmude und Philipp Namberger über „Tourismusgeographie“ (2. Auflage Darmstadt 2015) und in ihrer Reihe „Germanistik kompakt“ einen Band von Andreas Keller und Winfried Siebers über „Reiseliteratur“ (Darmstadt 2017) publiziert. Das von 18 deutschsprachigen Verlagen belieferte UTB-Programm umfasst gar eine ganze Reihe von Bänden, die nicht nur für einschlägige Praktiker konzipiert sind, sondern sich durchaus auch mit den Grundlagen der Tourismussoziologie, der Tourismusphilosophie und weiterer einschlägiger Handlungsfelder auseinandersetzen. Dazu zählt auch der jüngst vorgelegte Band von Martina Zschocke, der sich mit den Grundlagen der Reisepsychologie in Theorie und Praxis auseinandersetzt – und damit an die bei Königshausen und Neumann in Würzburg im Jahr 2005 erschienene Dissertation der Autorin zum Thema „Mobilität in der Postmoderne. Psychische Komponenten von Reisen und Leben im Ausland“ anknüpft.

Der neuere Band ist so aufgebaut, dass er sein Thema in vier Abteilungen behandelt, dies durchgängig konkret und theoretisch versiert. Da geht es zunächst um die Phase „Vor der Reise“ (18–55), sodann um die Phasen „Unterwegs“ (58–153) sowie „Ankommen“ (156–287), schließlich um die Phase „Nach der Reise“ (290–299). Ein Schlusswort zum Thema „Brauchen wir Reisen?“ (301–306) rundet die Studie ab. Die Autorin setzt sich kritisch und produktiv mit dem Zustandekommen von Reiseentscheidungen und den einzelnen Reisemotiven auseinander, mit den dazugehörigen geschlechtsspezifischen Differenzen wie auch mit den persönlichkeitsbezogenen Reisepräferenzen. Sie unterscheidet zwischen aktiven und passiven Bewegungen, zwischen unterschiedlichen Wahrnehmungen während des Reisens und den verschiedenen Effekten des Reisens auf Körper und Psyche, auf das Denken und die Kreativität der jeweils Handelnden. Im umfangreichsten Kapitel, dem über das „Ankommen“, geht es weniger um die konkreten Ankunftsprozesse, als vielmehr einerseits um eine Analyse unterschiedlicher Räume, durch die man reist und in denen man sich aufhält (Orte, Landschaften, Formationen, Kategorien), andererseits um die biografischen Dimensionen des Reisens (Reisen und Identität, transformatives Reisen, Auswirkungen des Reisens auf Selbst und Persönlichkeit sowie Techniken der Reisedokumentation). Nicht zuletzt werden Zusammenhänge von Erlebnissen und Formen der Zeitwahrnehmung beschrieben, dies unter besonderer Berücksichtigung jenes menschlichen Handlungsbereichs, den wir „Erinnerung“ nennen.

Martina Zschockes Band trägt zwar den Titel „Reisepsychologie“, er liefert aber weit mehr als dies, nämlich eine Art von Querschnittsstudie, welche nicht minder in die Reisesoziologie, die Reisegeschichte sowie die Kulturwissenschaft des Reisens einführt. Es geht der Autorin mithin um weit mehr als um die Beantwortung der im Untertitel formulierten Frage, warum Menschen auf Reisen gehen; korrekterweise müsste es dort heißen: Warum wer wann wo und wie auf Reisen geht. Angesichts dieser anerkennenswerten Leistung ist das Literaturverzeichnis leider zu bedauern, das dringend einer gründlichen Überarbeitung bedarf.