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Kommission für bayerische Landesgeschichte

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Aktuelle Rezensionen


Christine Aka/Lucia Sunder-Plassmann, Inga Dickerhoff (Hg.)

Missionarinnen, Mission und Missionsunterstützung. Ordensfrauen aus dem Oldenburger Münsterland in verflochtenen Welten sowie Missionarinnen, Mission und Missionsunterstützung. Selbstzeugnisse und ergänzende Studien

(Schriften zur Alltagskultur im Oldenburger Münsterland 5), Cloppenburg 2024, Museumsdorf Cloppenburg – Niedersächsisches Freilichtmuseum, 423 Seiten mit Abbildungen, ISBN 978-3-938061-49-7 sowie (Schriften zur Alltagskultur im Oldenburger Münsterland 6), 384 Seiten mit Abbildungen, ISBN 978-3-938061-50-3


Rezensiert von Marita Metz-Becker
In: Bayerisches Jahrbuch für Volkskunde
Erschienen am 23.09.2026

Die beiden aufeinander bezogenen Bände, herausgegeben von Christine Aka, Lucia Sunder-Plassmann und Inga Dickerhoff, widmen sich dem Thema Missionarinnen aus dem Oldenburger Land zwischen 1870 und 1970. Erstmals wird dieses Phänomen anhand von privaten Quellen aus der Region und zahlreichen narrativen Interviews mit noch lebenden Missionarinnen beziehungsweise deren Angehörigen wissenschaftlich beleuchtet und damit die Alltagsgeschichte der Region um diesen relevanten Aspekt erweitert.

Noch vor 30 oder 40 Jahren war die Präsenz von Missionaren und Missionarinnen im katholischen Oldenburger Münsterland so selbstverständlich und alltäglich wie der regelmäßige Kirchgang. Die Missionarinnen arbeiteten in fernen Erdteilen, wie Afrika, Asien oder Südamerika in Schulen, Krankenstationen oder Farmen, um den Menschen in den „Heidenländern“ die Zivilisation zu bringen. Dieses Ansinnen erschien den Zeitgenossen völlig verständlich und wurde nicht in Frage gestellt. Erst in neuerer und neuester Zeit werden im Kontext der Auseinandersetzung mit Kolonialgeschichte längst fällige kritische Debatten zu diesem Themenkomplex geführt.

Die vorliegenden Bände gehen der Frage nach den Akteurinnen in der Mission im Zeitraum zwischen 1870 und 1970 und ihren Kontakten zur Heimat als Resonanz- beziehungsweise Unterstützungsraum nach. Sehr deutlich zeichnen sich in der Literatur der frühen Missionspropaganda zwischen 1886 und 1914 rassistische und koloniale Denkmuster ab, die noch bis in die 1950er Jahre in der internen Ordensliteratur wirkmächtig waren. Auch Briefe der Missionarinnen an die Daheimgebliebenen spiegeln diese stereotype Sichtweise wider, wenn etwa von einem „unerzogenen Volk“, auf das sie in der Fremde gestoßen seien oder von erwachsenen Menschen, die ihnen „wie Kinder“ vorkämen, die Rede ist. Die Motivation, sich ins ferne Ausland zu begeben, wurde bei den tiefreligiösen Frauen von dem Wunsch begleitet, vor Ort zu helfen und damit auch ein eigenes „Lebensopfer“ zu bringen. Zudem hatte der Beruf zahlreiche Vorteile, wenn man bedenkt, dass das Frauenstudium erst 1908 in Deutschland eingeführt wurde und auch weibliche Berufstätigkeit in jener Zeit schwierig war. In den Klöstern aber war es den Novizinnen und Nonnen möglich, als Krankenschwestern, Lehrerinnen, Handwerkerinnen etc. einer sinnerfüllenden Tätigkeit nachzugehen. Dazu kam, dass viele der jungen Frauen keine Perspektive hatten, wenn sie aus armen, kinderreichen Häusern stammten. Mit der Entscheidung für das Kloster konnten sie ihre Familien entlasten und der Enge des Dorfes entfliehen.

Seit den 1860er Jahren entstanden Missionsvereine mit mehr als fünf Millionen Mitgliedern, die Klein- und Großspenden einsammelten und für die Arbeit in der Mission warben. 375 Frauen und 150 Männer aus der ländlichen katholischen Region Südoldenburg fühlten sich angesprochen und brachen in die Fremde auf, um „Seelen zu retten“. Missionarin sein wurde für viele zum Traumberuf und das Erreichte unter Tränen nach Hause gemeldet. Sr. Hedwige Imbusch aus Vechta, die es in die Südsee verschlagen hatte, schreibt: „Als ich die vielen Leute in der Kirche sah, und sie so laut singen hörte, da wurde ich so gerührt, dass ich weinte. Hier wo früher Götzen geopfert wurde, erschallte jetzt das Lob Gottes und das alles ist das Werk der Missionare“ (54).

In den 1950er und 1960er Jahren verließ die letzte Welle von Missionarinnen Europa. Gleichzeitig gerieten die Missionsorden nach der Unabhängigkeit der meisten Kolonien unter Rechtfertigungsdruck und in eine existenzielle Krise. Die Reise ins Einsatzland wurde mit dem Schiff angetreten, daran schloss sich nach der Ankunft noch eine beschwerliche Landreise an. Am Ziel angekommen, wurden die Frauen mit Fremdheit konfrontiert, die sie als Mangelhaftigkeit der unvertrauten Kultur erlebten. Eine Schwester erinnert sich, bei ihrer Ankunft „armseligen Esel- und Pferdefuhrwerken“ und „in Lumpen und Fetzen gekleideten Kindern und Mütterchen“ begegnet zu sein. Zahlreiche Herausforderungen mussten die jungen Missionarinnen nun bewältigen, wie das Erlernen einer neuen Sprache, das ungewohnte Klima oder den Umgang mit gefährlichen Tropenkrankheiten. Wie lange eine Nonne an einem Einsatzort blieb, entschied die Ordensleitung, der sich jede Schwester widerspruchslos zu unterwerfen hatte.

Einmal in der Ferne, kam eine Missionarin höchstwahrscheinlich nie mehr an ihren Heimatort zurück. Die einzige Möglichkeit mit den Daheimgebliebenen Kontakt zu halten, waren Briefe, die jedoch der Zensur unterlagen. In der Korrespondenz geht es daher im Wesentlichen um Wetter, Ernte, Gesundheitsfragen, weniger um Probleme, Zweifel oder Heimweh. Im Alter und bei Krankheit wurden die Schwestern in ihren überseeischen Klöstern gepflegt, da an eine Rückreise nach Europa nicht zu denken war. Die letzten Missionarinnen beklagen ihre Einsamkeit und die Schließung von Missionsstationen, da der Nachwuchs fehlte. Am 3.3.2021 meldete die Münsterländische Tageszeitung: „Letzte Lastruper Missionarin stirbt mit 90 Jahren in Brasilien.“ (409)

Wie aus dem zweiten Band im Beitrag von Inga Dickerhoff hervorgeht, stellt die Region Südoldenburg noch immer Missionarinnen und Missionare, die durch die Unterstützung katholischer Ordensinitiativen in unterschiedlichen Kontinenten ein Freiwilligenjahr ableisten. Sie nennen sich „MaZler“ (Missionare auf Zeit), legen aber Wert auf die Feststellung, dass der Begriff irreführend und kein Missionsauftrag mit ihrer Arbeit verbunden sei.

Zusammenfassend ist zu sagen, dass die Autorinnen mit ihren beiden umfangreichen, reich bebilderten Bänden ein Desiderat beseitigt haben, indem sie dem bislang kaum beleuchteten Thema „katholische Frauen in überseeischen Missionsgebieten“ nachgegangen sind. Zudem haben sie mit dem Fokus auf weibliche alltagskulturelle Lebenswelten von Ordensfrauen aus einer wenig beachteten ländlichen Region einen nicht zu unterschätzenden Beitrag zur regionalen Identität des Oldenburger Münsterlandes geleistet.