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Christina Schachtner

Dinge als Medien. Soziomediale Verstrickungen im Migrationsalltag

(Edition Medienwissenschaft 122), Bielefeld 2025, transcript, 220 Seiten mit Abbildungen, ISBN 978-3-8376-7328-9


Rezensiert von Fatma Sagir
In: Bayerisches Jahrbuch für Volkskunde
Erschienen am 23.09.2026

Die Klagenfurter Medienwissenschaftlerin und Soziologin Christina Schachtner schließt mit dieser Studie an ihre vorausgegangene, 2022 publizierte Arbeit zur Lebensgestaltung von Migrantinnen und Migranten an (191). In der vorliegenden Studie untersucht sie aus kultur- und medienwissenschaftlicher Perspektive (13) das Verhältnis migrantischer Menschen in Deutschland und Österreich zu Dingen und Medien und Dingen als Medien. Dabei stellt sie die Perspektive der Migrantinnen und Migranten in den Mittelpunkt ihrer Untersuchung. Schachtners Forschungsinteresse liegt in der Rekonstruktion und Nachvollziehbarkeit der Herstellung von Sinnzusammenhängen in der Alltagskultur und Lebenswelt migrantischer Menschen.

Durch die Studie hindurch zieht sich die Selbstreflektion der Forscherin in ihrer Rolle als Außenstehende, gleich zu Beginn etwa und im Schlusskapitel bei der Darstellung der Erschließung des Forschungsfeldes, in der sie die Kontaktaufnahme zu Interviewpartnerinnen und -partnern beschreibt (191). Dies ist besonders hervorzuheben, da diese Vorgehensweise leider noch immer nicht durchgängig als Standard in der Forschungspraxis vorzufinden ist.

Das Buch gliedert sich in sieben Kapitel. Methodisch wählt Schachtner einen multimodalen Zugang. Gleich zu Beginn steht das Kapitel mit der Darstellung und Reflektion des theoretischen Rahmens (19–57), der sich von Figurationstheorie (24) über Hybriditätskonzepte (28) bis hin zu Mediatisierungsansätzen (43) erstreckt. Dabei formuliert die Autorin ihr Forschungsinteresse in leitenden Fragestellungen (14) und verortet zentrale Begriffe wie Othering (14) im theoretischen Kontext.

Schachtner kategorisiert die Praxis ihrer Interviewpartnerinnen in acht Erlebnis- und Handlungstypen (57–112), die sie anhand von Fallbeispielen darlegt. Neben den leitfadengeführten strukturierten Interviews nutzt sie die Methode der Visualisierung. Die Gesprächspartnerinnen und -partner fertigen eine Zeichnung, die ihre Beziehung zu einem Objekt darstellt. Diese Zeichnungen finden sich im Buch. Dieses Kapitel weist eine große Fülle von verschiedenen Zugängen der Interviewpartnerinnen und -partner zum Umgang mit dem Leben in der „neuen Heimat“ oder der Fremde auf. Diese diskutiert Schachtner und verortet sie theoretisch, während sie den Interviewpartnerinnen und -partnern viel Raum gibt. Es ist besonders lesenswert, nicht nur im Hinblick auf eine elegante Verflechtung von Methodik und Theorie, sondern besonders in Bezug auf die migrantischen Narrative, die sich hier deutlich zeigen. Wenn man so will, lässt sich anhand dieses Kapitel nachvollziehen, welche ungeheuerliche Leistung diese Menschen erbringen, um in ihrem Leben und dem Migrationsland anzukommen und um sich zu „integrieren“. Dies als Forderung begegnet ihnen im Alltag meist mit rassistischen Untertönen und politischen Abschiebe-Drohgebärden. Diese Studie ist unter anderem eine empfehlenswerte Lektüre, um den Kampfbegriff Integration zu überdenken.

Im Kapitel „Bilanzierung“ widmet sich Schachtner den Themen Dinge, Körper, Medien und Gefühle unter Bezugnahme auf das empirische Material und die bereits genannten Fallbeispiele (113–119). Zudem berücksichtigt sie die Rolle digitaler Medien (177) für das Kommunikationsverhalten. Schließlich folgt im vorletzten Abschnitt des Buches eine Diskussion und Reflektion zur Subjektivierung und zum Theorem des Othering. Hierzu finden sich in den Fallbeispielen alltägliche Rassismuserfahrungen wieder, von denen die Interviewpartnerinnen berichten (157). Forschungsdesign und Forschungsprozess werden im letzten Kapitel des Buches reflektiert (187–202). Die Studie und besonders dieses Kapitel empfehlen sich nicht nur für eine weiterführende Forschung als Lektüre, sondern eignen sich ebenfalls gut für die Lehre.

Es ist für mich interessant solch eine Studie zu lesen, einmal, weil ich selbst in einer Gastarbeiterfamilie aufgewachsen bin und eine migrantische Lebenserfahrung vorweise und des Weiteren, weil ich als Schriftstellerin, die in dieser Studie dargestellten Themen und Erfahrungen bereits literarisch verarbeitet habe. Unter anderem in meinem 2021 zum 65. Jahr des Anwerbeabkommens zwischen der Türkei und Deutschland erschienenen Buch „Alphabet der Sehnsucht. Texte zum Vergessen“, dessen erste Kurzprosatexte in meinem Schreibprojekt „Orte Dinge Menschen“ entstanden sind. Die Empirie in Christine Schachtners Studie sowie ihre Analyse und Auswertung unterstützen diese Erfahrungen zur erinnerungskulturellen Praxis bei Migrantinnen und Migranten.

Christina Schachtner ist mit dieser Studie ein bedeutender Beitrag zur Forschung gelungen, in der sie die Vielfalt von Erfahrungen, Biografien und Bewältigungsstrategien im migrantischen Alltag zeigt. Die Vielschichtigkeit, die den Einheimischen oft verborgen bleibt und in politischen Debatten gänzlich verblasst, wird in dieser Studie deutlich sichtbar gemacht. Zudem liefert sie einen Beitrag zur emotionalen Verbindung zu und mit Dingen im Alltag.