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Sarah Maria Ullrich

Social-Media und Museum. Wie digitale Bilder und ästhetische Praktiken die Kunsterfahrung verändern

(Edition Museum 84), Bielefeld 2024, transcript, 246 Seiten mit Abbildungen, ISBN 978-3-8376-7102-5


Rezensiert von Fatma Sagir
In: Bayerisches Jahrbuch für Volkskunde
Erschienen am 23.09.2026

Die Kulturwissenschaftlerin Sarah Maria Ullrich legt mit der Buchhandelsausgabe ihrer Dissertation eine kultur- und medienwissenschaftliche Analyse der Transformation musealer Erfahrungsräume im digitalen Zeitalter vor. Sie ermöglicht damit einen Blick auf die gegenwärtigen Herausforderungen für tradierte Museumsarbeit und Kuratierungspraktiken im Kontext gesellschaftlichen Kulturwandels, die im Zusammenhang mit digitalen Alltagsmedien wie etwa dem Smartphone stehen. Dabei möchte Ullrich mit ihrer Studie der kulturpessimistischen Abwertung von Kunst in der digitalen Medienpraxis und im digitalen Raum entgegenwirken (7–11). Nicht nur die Kulturinstitutionen, wie in der vorliegenden Studie etwa die Museen, stehen vor dem digitalen Kulturwandel, sondern diese neue Medien- und alltagskulturelle Rezeptionspraxis mithilfe des Smartphones und von Social Media verändert sowohl die Rolle der Nutzerinnen und Besucher als auch ihre Praktiken der Rezeption. Diese Entwicklung führt zu einer Verschiebung der traditionellen Rezeptionsweise hin zu einer aktiven, performativen Praxis, in der Besucher nicht mehr ausschließlich Rezipierende, sondern zugleich Produzenten kultureller Inhalte sind. Damit verschieben sich zunehmend die Deutungshoheiten. Dies ist eine Beobachtung, die im Zusammenhang mit dem digitalen Wandel und der Nutzung digitaler Technologie im Alltag für viele Bereiche gilt. Die Nutzung von Social Media ist hier das bedeutendste Element für diesen Kulturwandel. Sowohl die Forschung selbst steht damit vor einer veränderten Ausgangssituation, als auch das Forschungsobjekt, wie Sarah Maria Ullrich in der vorliegenden Arbeit aufzeigt.

Das Buch gliedert sich in neun Kapitel, wobei sich Kapitel eins, zwei und drei der Einleitung, dem Entwurf und der Diskussion des theoretischen Rahmens sowie dem Forschungsdesign und den Methoden widmen. Kapitel vier bis acht beinhalten den ersten und zweiten Teil der empirischen Studie sowie ihre Auswertung.

Das empirische Datenmaterial setzt sich aus Teilnehmender Beobachtung in Berliner Museen und Galerien (13), der Erstellung von visuellen Mustern von 275 Instagram Profilen (14), fünfundzwanzig leitfadengestützten Interviews (14), fünfzig Chat-Interviews (14) sowie zwanzig Interviews innerhalb der Eye-Tracking Studie (14) über Zoom zusammen. Die Auswertungssoftware MAXQDA wurde verwendet (14).

Sarah Maria Ullrich stellt die Frage nach dem Wechselverhältnis von Bedeutung (35–38) und Ästhetik (38–52) in den Mittelpunkt ihrer Forschung (13). Hiervon ausgehend entwickelt sie weitere Fragen und Forschungsschwerpunkte, wie etwa der digitalen Körperinszenierung und von körperzentrierten Bildästhetiken (14–17). In ihrer ethnografischen Studie zeichnet sie nach, in welcher Wechselwirkung digitale Medienpraxis und reale Welt stehen, auf welche Weise in der Folge neue Ästhetiken entstehen, wie Rollenverschiebungen von Nutzern, Besuchern und Kulturinstitutionen stattfinden, welche Machtveränderungen (133–141) und Verschiebungen der Deutungshoheit dies bedeutet und wie Multiplikatoren in Institutionen und auf Social Media zu diesem Kulturwandel aktiv durch ihre Rezension- und Medienpraxis beitragen (149–173). Des Weiteren widmet sie sich der Rolle des Individuums und seiner Selbstinszenierung und Selbstoptimierung in Beziehung zu Kunst und zur Kunstproduktion. Ullrich argumentiert, dass hier die Herausbildung eines „kuratierten Selbst“ zu verfolgen sei (98–114). Diese Selbstrepräsentationen seien eng mit Fragen der Identitätskonstruktion und kulturellen Zugehörigkeiten verbunden (114–115).

Ullrich liefert einen profunden Einblick in diesen Prozess des Kulturwandels und lässt verschiedene Akteure zu Wort kommen. Gerahmt ist die Arbeit durch die theoretische Verortung in kulturtheoretische Diskurse um Ästhetik, Bedeutung und digitaler Kulturforschung.