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Kommission für bayerische Landesgeschichte

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Haus der Bayerischen Geschichte (Hg.)

Musik in Bayern. Katalog zur Bayerischen Landesausstellung 2026

(Veröffentlichungen zur Bayerischen Geschichte und Kultur 75), Regensburg 2026, Pustet, 239 Seiten mit Abbildungen, ISBN 978-3-7917-3667-9


Rezensiert von Sebastian Gröller
In: Bayerisches Jahrbuch für Volkskunde
Erschienen am 28.09.2026

Der Begleitband zur Bayerischen Landesausstellung 2026, herausgegeben vom Haus der Bayerischen Geschichte, dokumentiert nicht nur die Ausstellung „Musik in Bayern“ im TonYversum in Freyung, sondern versammelt zugleich eine Reihe wissenschaftlicher Beiträge sowie einen umfangreichen Katalogteil. Bereits die Konzeption macht deutlich, dass Musik nicht ausschließlich als Geschichte bedeutender Komponisten oder Werke verstanden wird. Vielmehr verfolgt die Publikation einen kulturgeschichtlich weiten Musikbegriff, der neben höfischer und kirchlicher Musikkultur auch Volksmusik, Popularmusik, Instrumentenkunde, Festkultur und musikalische Alltagspraktiken berücksichtigt.

Die programmatische Ausrichtung wird bereits im einleitenden Beitrag von Franz Körndle und Moritz Kelber deutlich. Ausgehend von der gleichnamigen Ausstellung des Jahres 1972 reflektieren die Autoren die Veränderungen musikhistorischer Forschung und Vermittlung in den vergangenen Jahrzehnten. Während frühere Darstellungen vor allem kompositions- und werkgeschichtlichen Fragestellungen folgten, richtet sich der Blick nun verstärkt auf Musik als kulturelle Praxis. Damit wird zugleich die Vielfalt musikalischer Ausdrucksformen innerhalb Bayerns in den Mittelpunkt gerückt.

Die anschließenden Essays entfalten diesen erweiterten Zugang aus unterschiedlichen Perspektiven. Dabei handelt es sich überwiegend um Überblicksdarstellungen, die den aktuellen Forschungsstand zusammenführen und für den Kontext der Ausstellung aufbereiten. Neue Forschungsergebnisse stehen weniger im Vordergrund als vielmehr die Einordnung und Vermittlung komplexer Zusammenhänge. Dies entspricht dem Charakter eines wissenschaftlichen Ausstellungskatalogs und macht die Beiträge auch für Leserinnen und Leser zugänglich, die sich erstmals mit einzelnen Themenfeldern beschäftigen.

Inhaltlich spannt der Band einen weiten Bogen. Franz Körndle zeichnet Grundlinien der Musikgeschichte Bayerns nach und rückt dabei insbesondere Musikinstrumente als Quellen in den Mittelpunkt. Moritz Kelber betrachtet Popularmusik als Teil einer „glokalen“ Musikkultur und verbindet historische Entwicklungen mit aktuellen kulturwissenschaftlichen Fragestellungen. Manfred Seifert ordnet die Volksmusik in Bayern als historisch gewachsene und zugleich wandelbare kulturelle Praxis ein. Weitere Beiträge widmen sich unter anderem der Musikgeschichte des Hochstifts Passau (Markus Eberhardt), den Folgen der Säkularisation für die klösterliche Musikkultur (Christoph Lang), den Vermittlungskonzepten der Ausstellung (Peter Wolf), der Rolle Freyungs als „Landmusikort des Jahres 2025“ (Roland Pongratz) sowie später im Katalogteil dem Instrumentenbau, dem jüdischen Musikleben in Bayern oder den Klängen Bayerns. Gemeinsam vermitteln die Beiträge kein geschlossenes Narrativ, sondern ein facettenreiches Bild musikalischer Kultur, das unterschiedliche Epochen, Regionen und gesellschaftliche Kontexte miteinander verbindet.

Den zweiten Schwerpunkt bildet der Katalogteil. Die vorgestellten Exponate werden nicht allein hinsichtlich ihrer materiellen Eigenschaften beschrieben, sondern jeweils in historische und kulturgeschichtliche Zusammenhänge eingeordnet. So dienen etwa Erinnerungsstücke an Richard Wagner (1813–1883), Objekte aus dem Umfeld Karl Valentins (1882–1948) und Liesl Karlstadts (1892–1960) oder Zeugnisse der Festzeltkultur als Ausgangspunkt für Erläuterungen zu Musikleben, Unterhaltung, Brauch und gesellschaftlichem Wandel. Die Verbindung von Objektbeschreibung und Kontextualisierung ermöglicht es, die Exponate über ihre museale Funktion hinaus als historische Quellen zu erschließen.

Die Gestaltung des Bandes unterstützt diesen Ansatz. Die zahlreichen Abbildungen übernehmen nicht lediglich eine illustrative Funktion, sondern stehen in engem Zusammenhang mit den jeweiligen Beiträgen. Das übersichtliche Layout sowie die klare Gliederung erleichtern die Orientierung zwischen den wissenschaftlichen Essays und den Objektpräsentationen.

Aus volkskundlicher Perspektive ist insbesondere hervorzuheben, dass musikalische Praxis konsequent als Bestandteil gesellschaftlicher und regionaler Kultur verstanden wird. Volksmusik erscheint dabei nicht als isolierter Themenbereich, sondern wird selbstverständlich in größere musik- und kulturgeschichtliche Zusammenhänge eingebettet. Zugleich treten andere Perspektiven – insbesondere aus Musikwissenschaft, Landesgeschichte und Kunstgeschichte – gleichberechtigt hinzu. Gerade diese interdisziplinäre Anlage prägt den Charakter des Bandes.

Die thematische Breite der Publikation bringt naturgemäß mit sich, dass einzelne Aspekte nur exemplarisch behandelt werden können. Der Band erhebt jedoch auch nicht den Anspruch einer vollständigen Darstellung der Musikgeschichte Bayerns. Sein Ziel besteht vielmehr darin, unterschiedliche Zugänge zum Thema aufzuzeigen und diese anhand ausgewählter Objekte und wissenschaftlicher Beiträge zu erschließen.

Mit Musik in Bayern liegt ein sorgfältig konzipierter Begleitband vor, der die Bayerische Landesausstellung 2026 über ihre Laufzeit hinaus dokumentiert. Die Verbindung von wissenschaftlichen Essays und kontextualisierten Objektbeiträgen eröffnet unterschiedliche Perspektiven auf die Musikgeschichte Bayerns und macht den Band zu einer gewinnbringenden Publikation für alle, die sich mit der Musik- und Kulturgeschichte des Landes beschäftigen.