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Kommission für bayerische Landesgeschichte

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Aktuelle Rezensionen


Bernhard Lübbers

Regensburg. Biografie einer Stadt

Regensburg 2025, Pustet, 624 Seiten mit Abbildungen, ISBN 978-3-7917-3595-5


Rezensiert von Florian Schwemin
In: Bayerisches Jahrbuch für Volkskunde
Erschienen am 05.10.2026

Biografien werden üblicherweise über verdiente oder zumindest bekannte Personen verfasst. Nicht selten nach ihrem Ableben. Im Falle der Stadt Regensburg, der diese Biografie gewidmet ist, ist dieses, wenn es nach den letzten Worten des Buches geht, noch eine ganze Weile entfernt. „Sie lebe, wachse und blühe in Ewigkeit!“ (418) schreibt Bernhard Lübbers dort.

Dem kann man eine tiefgehende Wertschätzung für die Stadt entnehmen, die sich auch im ganzen Buch Ausdruck verschafft. Allerdings nicht in Form von Superlativen, Namedropping und anekdotenhafter Verklärung, sondern in Form von ernsthafter, genauer und umfassender geschichtswissenschaftlicher Beschäftigung mit Regensburg, nicht in Form einer Chronik, sondern eben als Biografie, die sich an Wendepunkten und Prozessen der Stadtgeschichte entlang entspinnt und diese von der ersten menschlichen Besiedlung des Raums hin zu aktuellen Herausforderungen des Jahres 2025 begleitet.

Das äußerst kleinteilige Inhaltsverzeichnis mit rund 280 Gliederungspunkten ist stringent und chronologisch gegliedert. Dadurch ist die Orientierung mehr als komfortabel und wer gebündelte Informationen zu einem speziellen Aspekt der Stadtgeschichte sucht, findet hier einen fundierten Einstieg inklusive Hinweisen auf den aktuellen Forschungsstand im Apparat. Die Auswahl dieser Aspekte erfolgte als „subjektive Auswahl“ Lübbers, die aber logischen Zäsuren und Entwicklungslinien der Geschichte der Stadt im Wechselspiel mit dem jeweiligen politischen Kontext folgt. Dabei werden meistens kaleidoskopartig möglichst viele Stränge der äußerst komplexen Gemengelage, die Regensburg als Legionsort, Bischofssitz, Reichsstadt, Stadt des immerwährenden Reichstags und so weiter prägte, aufgegriffen.

Die Darstellung erschöpft sich nicht in einer reinen Politikgeschichte, sondern bringt mentalitätsgeschichtliche, kirchenhistorische, kulturgeschichtliche Aspekte genauso ein, wie sozialgeschichtliche. Ergänzt werden die prägnanten, selten mehr als zwei Seiten umfassenden, Unterkapitel durch eingeschobene Miniaturen – kleine Biogramme, Exkurse zu Kuriosa und Spezifika, die das Bild der Stadt weiter schärfen. Lübbers will mit dieser Strukturierung des Buches gegenwärtigen Lesegewohnheiten entgegenkommen – wer, wenn nicht ein Bibliotheksdirektor sollte sich mit diesen auskennen – und leicht zugängliche Informationshäppchen anbieten, die auch einzeln gelesen werden können.

Das heißt nicht, dass man das Buch nicht auch mit Genuss und Gewinn von vorne bis hinten durchlesen könnte. Eine der größten Leistungen des Buches ist es nämlich, auch die komplexesten Vor- und Gedankengänge in einer verständlichen und gut lesbaren Sprache zu Papier zu bringen, ohne dass dabei Exaktheit und Information verloren gingen. Das wird unter anderem durch eine überaus hohe Belegdichte und eine Vielzahl an Fußnoten, die es einem leicht machen würden, einzelne Aspekte nachzuvollziehen und einzuordnen, erreicht. Leider muss hier der Konjunktiv betont werden, denn – und da trifft den Autor wohl keine Schuld – die für jede tiefere Beschäftigung mit Lübbers Text unabdingbaren Fußnoten sind zwar als Kapitelnoten nummeriert, werden aber, geradezu eingequetscht zwischen Abkürzungs- und Literaturverzeichnis, beinahe verschämt auf 195 dicht bedruckten Seiten versteckt, was eine Benutzung erschwert. Für eine etwaige zweite Auflage sollte dringend überlegt werden, die Noten wenigstens an das Ende jedes Kapitels zu verlegen, wobei sie für das Dafürhalten des Rezensenten eigentlich an Ort und Stelle gehören würden. Dass das wunderschön gedruckte Buch mit einem Leseband ausgestattet ist, kann hier nur ein schwacher Trost sein. In den Fußnoten liegt nämlich nicht nur ein nicht zu unterschätzender Mehrwert in Form der herausragenden Literatur an sich – das 86-seitige Quellen- und Literaturverzeichnis könnte als umfängliche, aktuelle Bibliografie zur Geschichte Regensburgs einzeln auf den Markt gebracht werden – sondern vor allem in den eingestreuten Präzisierungen, Verknüpfungen und Einordnungen. Wenn man also ernsthaft mit dem Buch arbeiten will – und dafür bietet es sich durchaus an – sollte man sich einen großen Vorrat an Kleberegisterkarten oder ähnlichem zulegen.

Dass es sich, bei aller Annäherung an ein nichtwissenschaftliches Publikum um ein durch und durch wissenschaftliches Werk handelt, zeigen nicht zuletzt die Personen-, Orts- und Sachregister, die nach dem feingliedrigen Inhaltsverzeichnis eine noch präzisere Zugangsmöglichkeit bieten, um Gesuchtes schnell zu finden. Nicht unerwähnt bleiben darf auch die passend gewählte Bebilderung, die im besten Wortsinn illustrierend eingesetzt wird und einzelne Punkte veranschaulicht, erklärt oder ergänzt.

Wer sich mit der Geschichte Regensburgs oder einzelnen Teilaspekten auskennt, wird nicht auf jeder Seite etwas Neues entdecken – das ist auch nicht die Absicht des Buches – und auch Teile der Bilder wurden bereits an der ein oder anderen Stelle abgedruckt, nirgends aber sind bisher diese Informationen in dieser Dichte versammelt. Wer will, findet unter dem Mikroskop kleinere Unebenheiten, die allesamt nicht ins Gewicht fallen, wer will, findet auch Dinge, die fehlen, wer dann ein zweites Mal drüber liest oder das Register bemüht, findet die Hälfte davon dann doch. Ein Biograf schreibt immer aus seiner Warte über die jeweilige Person (oder in diesem Fall Stadt). Dass andere, die diese ebenfalls kennen, unter Umständen an der ein oder anderen Stelle einen Akzent anders gesetzt, einzelne Aspekte stärker herausgearbeitet und anderen vielleicht weniger Aufmerksamkeit geschenkt hätten, liegt in der Natur der Sache. Andere haben aber kein aktuelles Standardwerk über die Stadt an der Donau geschrieben, das sowohl mit inhaltlicher Breite als auch wissenschaftlicher Tiefe überzeugen kann. Dieses Verdienst gebührt allein Bernhard Lübbers.