Aktuelle Rezensionen
Helmut Engelhart
Der liturgische Buchdruck für das Bistum Eichstätt von den Anfängen bis zum Konzil von Trient
(Beiträge zur Geschichte der Diözese Eichstätt 4), St. Ottilien 2025, EOS, 174 + XII Seiten
Rezensiert von Marco Benini
In: Zeitschrift für bayerische Landesgeschichte
Erschienen am 12.10.2026
Die Bedeutung des Buchdrucks kann wohl kaum überschätzt werden, ging doch davon eine Medienrevolution aus, die Kommunikation, Kirche und Gesellschaft prägte. Das gilt auch für die Liturgie im Bistum Eichstätt, die durch gedruckte Bücher vereinheitlicht werden konnte. Fürstbischof Wilhelm von Reichenau (reg. 1464–1496) nutzte den Buchdruck als Teil seiner kirchlichen Reform. Die vorliegende Studie von Helmut Engelhart, eines versierten Fachmanns für Buchmalerei und frühen Buchdruck, setzt sich mit der Produktion der liturgischen Drucke im Auftrag der Eichstätter Bischöfe bis zum Trienter Konzil auseinander und ordnet sie in die Frühgeschichte des Buchdrucks ein.
Die Jahre von 1483 bis 1494 sind für das kirchliche wie für das kulturelle Leben in der Bischofsstadt Eichstätt von besonderer Bedeutung. Sie markieren das Jahrzehnt, in dem die Druckkunst in Eichstätt Eingang fand. Daher widmet sich das erste Kapitel den liturgischen Drucken dieser Zeit (S. 5–72). Nach kurzer Schilderung des reformorientierten Bischofs wird das erste in Würzburg durch Georg Reyser 1483 gedruckte, großformatige Eichstätter Brevier besprochen, das auch die Korrespondenz zwischen Bischof und Reyser enthält (S. 8 f.); ein zweiter handlicher Druck erfolgte im folgenden Jahr. 1484 gewann der Bischof dessen Bruder oder Verwandten Michael Reyser für eine eigene Offizin in Eichstätt (S. 21). Dort wurden die folgenden Drucke erzeugt: die Eichstätter Diözesanstatuten (1484; enthält auch die Mainzer Provinzialstatuten); das nur 19-seitige „Officium de festo praesentationis beatae Mariae Virginis“ (1484), das im Zusammenhang mit der Einführung des Marienfestes am 21. November steht; das erste gedruckte Eichstätter Missale (1486; dabei wurde das Kanonbild aus dem Würzburger Messbuch von 1481, dem ersten in Deutschland gedruckten Vollmissale, übernommen; S. 38 f.); das erste Eichstätter Obsequiale (1488), also ein Rituale. Damit wurden die nötigen Bücher für eine Vereinheitlichung der Liturgie geschaffen. Dem folgten textlich nur minimal veränderte Nachdrucke des Missale (1489, 1494), die aber andere Kanonbilder aufweisen. Ein Eichstätter Diurnale, ein Stundenbuch für die Tageshoren von Laudes bis Komplet, also ohne die textlich umfangreiche nächtliche Matutin, wurde zwischen 1489 und 1494 in Ingolstadt gedruckt.
Das zweite Kapitel untersucht die nach dem Wegzug oder Tod Reysers erschienenen Bücher (S. 73–113): die Eichstätter Diözesanstatuten (Neuauflage 1496) und die unter Bischof Gabriel von Eyb (reg. 1496–1535) herausgegebenen liturgischen Bücher, das Brevier (1497, 1504, 1525) und vor allem das repräsentativ gestaltete Missale (1517), das die Bedeutung spiegelte, die „Bischof und Domkapitel dem Eichstätter Messritus beimaßen“ (S. 85). 1539 erschien die zweite Ausgabe des Obsequiale, 1556 der auf Pergament gedruckte Auszug mit dem Kanon der Messe, den man in das Missale von 1517 legen konnte, um die stark abgegriffenen oder fehlenden Seiten des Kanons zu ersetzen (die Bezeichnung „Ersatzkanon“ ist allerdings missverständlich, weil es einen anderen Kanon suggerieren könnte), und schließlich 1560 das letzte (zweibändige) Eichstätter Brevier.
Ein drittes Kapitel „Ergebnisse“ (S. 115–144) fasst die Einzelheiten gut zusammen, wobei hier auf die Zeit von Bischof Wilhelm von Reichenau und ab Gabriel von Eyb untergliedert wird. Nochmals werden die Verbindungen nach Würzburg unterstrichen. Schließlich folgt ein Verzeichnis der in öffentlichen Sammlungen vorhandenen Drucke samt den Internetquellen für Digitalisate (S. 145–164) sowie das Literaturverzeichnis (S. 167–174).
Das Buch ist mit 75 Farbtafeln reich bebildert und gibt damit in der Tat einen Einblick in die Bücher. Der gewählten Untersuchungsmethode verpflichtet, gibt es so gut wie keine Verknüpfungen zur tatsächlichen Feier der Liturgie, auch nicht exemplarisch. Wer sich inhaltlich mit den liturgischen Texten und Riten befassen will, muss die Bücher selbst zur Hand nehmen oder digital ansehen, wofür die Liste am Ende hilfreich ist.